Vortrag „Forschendes Lernen“ mit Hilfe digitaler Medien

Forschendes Lernen mit Unterstützung digitaler Medien hieß ein Vortrag an der FH Potsdam, der vom Forum E-Learning veranstaltet wurde und von Hannah Dürnberger von der Universität Augsburg gehalten wurde. Hier ein kurzer Bericht meiner Eindrücke dieser Veranstaltung. Was ist nun Forschendes Lernen: laut Prof. Ludwig Huber ist es Lernen durch Einbindung der Studierenden in einen Forschungsprozeß. Neben dem Faktenlernen treten dabei auch verschiedene Kompetenzprofile, wie die selbstständige Arbeit, gestalterische Tätigkeiten und das stetige prozessbegleitende Reflektieren der eigenen Arbeit in den Vordergrund. (Huber 2009) Ein großer Vorteil des forschenden Lernens ist laut Hanna Dürnberger, dass schon die Studierenden im Lernprozess neues Wissen generieren. So sah auch das Lernen und Forschen nach den Bildungsidealen des W.v.Humboldt aus:  „Es ist ferner eine Eigentümlichkeit der höheren wissenschaftlichen Anstalten, daß sie die Wissenschaft immer als ein noch nicht ganz aufgelöstes Problem behandeln und daher immer im Forschen bleiben, da die Schule es nur mit fertigen und abgemachten Kenntnissen zu tun hat und lernt. Das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler wird daher durchaus ein anderes als vorher … Sobald man aufhört, eigentlich Wissenschaft zu suchen, oder sich einbildet, sie brauche nicht aus der Tiefe des Geistes heraus geschaffen, sondern könne durch Sammeln extensiv aneinandergereiht werden, so ist Alles unwiederbringlich und auf ewig verloren … Denn nur die Wissenschaft, die aus dem Innern stammt und ins Innere gepflanzt werden kann, bildet auch den Charakter um …“ (Humboldt, Über die innere und äußere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin (1809/10). In: Anrich 1956, S. 377 f., 379) ebenfalls in Huber 2009. Damit grenzt Humboldt das „Lernen an einer Universität“ gleichzeitig deutlich vom „Lernen in der Schule“ ab. Der BAK hat 1970 ebenfalls eine Definition für forschendes Lernen herausgegeben, die folgendermaßen lautet:  (Merkmale Forschenden Lernens nach BAK 1970)

• selbstständige Wahl des Themas…

• selbstständige „Strategie“, besonders bez. Methoden, Versuchsanordnungen, Recherchen 

• entsprechendes unbegrenztes Risiko an Irrtümern und Umwegen einerseits, Chance für Zufallsfunde,„fruchtbare Momente“… andererseits

 • dem Anspruch der Wissenschaft zu genügen (z.B. angemessene Prüfung des schon vorhandenen Wissens, Ausdauer, Selbstkritik…)

• Prüfung des Ergebnisses hinsichtlich seiner Abhängigkeit von Hypothesen und Methoden 

• Aufgabe, das erreichte Resultat so darzustellen, dass seine Bedeutung klar und der Weg zu ihm nachprüfbar wird.

Somit trägt forschendes Lernen zur Persönlichkeitsentwicklung bei und ist „Tiefes Lernen“ im Gegensatz zum oft im hektischen BA/MA Studium praktiziertem Bulimielernen auf Wissensabfrageklausuren hin. Wie aus den Zielen und Definitionen oberhalb ersichtlich, fordert „Forschendes Lernen“ sowohl bei den Studierenden, als auch bei den Lehrenden eine  Anpassung der herkömmlichen Lehr- und Lerngewohnheiten und einen Mehraufwand. Dies ist den Studenten wohl nur vermittelbar, wenn auch Prüfungsleistungen in das Konzept des „Forschenden Lernens“ eingebunden werden.

Wie können in den Prozess des „forschenden Lernens nun digitale Medien eingebunden werden und wie können WEB 2.0 Tools den Forschungsprozess der Studierenden unterstützen:

Verschiedene Tools gibt es hier in allen Phasen des Forschungsprozesses. Zum Anfang können Unterlagen von den Lehrenden auf einem LMS System angeboten werden, damit die Studierenden einen Grundstock an Materialien zur Verfügung haben. Erste Forschungsfragen können die Studierenden in Gruppenarbeit mit Mindmapping Programmen (wie diesem z. Bsp.) festhalten  und auf Cloudspeicher allen studierenden Forschern zur Verfügung stellen (z.B Dropbox). Gemeinsame Forschungsergebnisse lassen sich in GoogleDocs oder einem Etherpad festhalten. Fertige Forschungsarbeiten können dann in  Online- Präsentationen veröffentlicht werden (z. Bsp: Slideshare). Natürlich gibt es auch eine Reihe von Tools, die die Kommunikation (Skype) (Twitter) und den Forschungsprozess als Zeit- und Projektplanner (GoogleKalender) begleiten können.

Da immer wieder Datenschutz eine Rolle spielt, ist es sicher auch möglich auf der Uni-Seite mit der genutzten Lernplattform die meisten dieser Werkzeuge für den geschlossenen Kreis der Studierenden zu realisieren und dem Datenschutz Rechnung zu tragen. Dies auch im Sinne des „Forschenden Lernens“ das ja von der Bereitschaft zum Mitmachen aller Studierenden lebt. Für die Endpräsentation wäre allerdings im Sinne der „öffentlichen Wissenschaft“ eine Ergebnisdarstellung in einem öffentlich zugänglichen Tool für mich sehr wünschenswert. Diese kommt auch der Anerkennung der wissenschaftlichen Leistung der Studierenden zugute und fördert die Motivation für weitere „forschende Lernprojekte“.

Die Aufzählung der teilweise verlinkten Tools in diesem Artikel soll rein beispielhaft verstanden werden und nur eine Orientierungshilfe darstellen, sie erhebt weder in Quantität noch in Qualität eine Anspruch auf Vollzähligkeit oder Rangfolge.

Fazit: Der Vortrag hat „Forschendes Lernen“ definiert als am „Forschungsprozess beteiligtes, aktives Lernen, hat auf den Mehraufwand beider Seiten aufmerksam gemacht und eine Reihe von Tools vorgestellt die den Forschungsprozess unterstützen können. Für mich habe ich festgestellt das die Tools selber einem aktiven Fernstudenten in der Regel bekannt sind, die meisten leider nicht im Sinne des „forschenden Lernens“ innerhalb von Modulveranstaltungen genutzt werden können, weil leider noch zu wenig „forschendes Lernen“ seitens der Universitäten angeboten wird. Angesichts sinkender Personalausstattung vs steigenden Studierendenzahlen ist hier ein Umdenken erforderlich um „Forschendes Lernen“ mehr in den Blickpunkz zu rücken. Auch Bedarfs es dann der Anpassung der Prüfungsleistungen, weg von der rezeptiven Klausur, hin zur Ergebnispräsentation kleiner selbstständig erarbeiteter Forschungsergebnisse, -erfolge.

Mein Dank gilt Hannah Dürnberger und dem Forum E-Learning für einen spannenden und informativen Vortrag und auf jeden Fall Petra Wiemer, die den Tip und den Anstoß zum Besuch dieser Veranstaltung gab.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Vortrag „Forschendes Lernen“ mit Hilfe digitaler Medien

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