Nachbereitung zum E-Learning Symposium an der Universität in Potsdam am 17.11.2012

Nachbereitung zum E-Learning Symposium 2012 an der Universität in Potsdam am 17.11.2012

Eine Tagung die von der Potsdamer AG E-Learning fantastisch organisiert worden ist und mit sehr kurzweiligen Vorträgen gestaltet war. In den Rahmen von drei längeren Hauptvorträgen waren Kurzvorträge eingebettet, zu denen es dann im Foyer ausführliche Poster gab. In den Vortragspausen gaben alle Referenten dazu gerne Auskunft. Vorstellen möchte ich euch zunächst den Vortrag von Prof. Dr. Djamshid Tavangarian von der Forschungsgruppe Rechnerarchitektur der Universität Rostock. Er hielt den ersten von drei Hauptvorträgen. Sein Thema war „ Mit E-Learning gegen Wissensarmut.“ Ihn beschäftigt die Frage rund um den Begriff „Wissensarmut“. Mit seiner Forschungsgruppe baut er das Lehr- Lernportal „Wiki-Learnia auf, das einen möglichen Weg zur Reduzierung von Wissensarmut aufzeigen soll. Zu Bildungsarmut und Informationsarmut gibt es bereits viele Forschungsansätze und –ergebnisse, dagegen ist „Wissensarmut bislang kaum als Forschungsthema aufgegriffen worden. Im Vortrag baut er zunächst den Wissensbegriff auf, über die Information als allgemeinen Begriff, der Bildung als pädagogisch/ didaktisch aufbereiteten Begriff, hin zum Wissen, das den Menschen befähigt zu Handeln und zu Wirken. Dabei lässt sich der Wissensbegriff in zwei Sichtweisen betrachten, einmal aus technischer Sicht (Fakten und Informationen) „Wissen was“ und einmal aus prozessualer Sicht „Wissen wie“. Dem „Wissen“ wird dabei in beiden Sichtweisen heute viel Bedeutsamkeit beigemessen, (Zitat Peter Drucker 1993 „Knowledge is the only meaningful ressource today“.) Dabei ist Wissen kulturspezifisch, kontext-, zeit- und ortsabhängig und hat durchaus auch eine begrenzte Lebensdauer in seinem Verwertungszusammenhang (Bsp. Ein Schallplattenbauer kann heute mit seinem hochspezifizierten Wissen kaum noch einen Job bekommen). Wie entsteht nun „Wissen“: Durch Lernen, Beobachtung, Wdh. von Aktionen, Gewinnung von Erfahrung, Aufnahme von Informationen über die eigenen Sinne (Lesen, Hören, Sehen, Kommunizieren, Wissensakkumulation, ineinander erweiterndes Wissen. Abgefragt und bescheinigt wird Wissen über eine vielfältige Wissenszertifizierung, mit Prüfungen, Tests, Demonstrationen, Kreationen und Erstellung von Exponaten. Hier lässt sich nun die Frage nach der Wissensarmut aufrufen. „Nichts Wissen“ ist beim Menschen kaum möglich, aber das Wissen zur einfachsten Alltagsbewältigung bezeichnet man als Instinkte (Urwissen), es wird im wissenschaftlichen Sinne nicht dem „Wissensbegriff“ zugeordnet. Normales Wissen wird benötigt um Arbeit selbst auszuführen, die Steigerung ist Metawissen, als Wissen um Wissensprozesse zu organisieren. Wie entsteht nun Wissensarmut: durch Mängel im Bildungssystem (Risikogruppen nach der Pisa Definition mit geringen Kompetenzen, aber auch durch Informationsoverload (zu viele und/ oder verschmutzte Daten) sowie fehlende Fähigkeiten Informationen zu bewerten und zu sortieren. Durch hierarchische Prozessstrukturen, Ablenkungseffekte (beim Medienkonsum), Ressourcenprobleme (gehörlos, blind), Kommunikationsdefizite, finanzieller Armut, und unzureichenden kognitiven Fähigkeiten ist Wissensarmut auch heute noch in den Industrienationen zu finden. Maßnahmen gegen Wissensarmut: Wie sehen nun die Maßnahmen gegen Wissensarmut aus und wie kann E-Learning diese Maßnahmen unterstützen? Wissenserwerb setzt zunächst einmal aktives Handeln voraus. Dafür brauchen wir Motivation und die Förderung des selbstständigen Lernens. Dabei muss die Förderung an die jeweiligen Vorraussetzungen unterschiedlicher Personen angepasst werden (Vorwissen und Geschwindigkeit des Wissenserwerbsprozesses sind zu berücksichtigen). Hierzu können Medien genutzt werden, die im Aufbau aber das Medium nicht nur als Werkzeug betrachten sollten, sondern auch didaktische Verfahren nutzen müssen um erfolgsversprechend zu sein. Das heißt Programme entwickeln, die Lernmotivation steigern, Feedback geben können und die globalen Informationsmöglichkeiten des Internets mit einbinden. Dann können Medien im audiovisuellen Bereich den Wissenserwerb gewinnbringend unterstützen. Nachteilig werden die mangelnde Fremdkontrolle und die fehlenden Effekte der Sozialisierung angesehen (man denke hier an das Buch „Digitale Demenz“ von Manfred Spitzer.
Die Herausforderung für Wiki Learnia ist also ein E-learning Portal für die Digital Natives zu schaffen, das unter Einsatz sozialer Netzwerke formales, informales, soziales, individuelles und kolloboratives Wissen vermitteln kann. Damit soll die heutzutage so wichtige Wissenszertifizierung ermöglicht werden und es soll dem Konzept des „Lebenslangen Lernes“ folgend, modular weiterbildend aufgebaut sein. Eine weitere Forderung an das Portal ist die Offenheit, jeder soll an der Gestaltung mitwirken können. Ziel ist damit eine Wissensplattform für alle Rezipientenarten aufzubauen. Dabei wird eine tutorielle Unterstützung und eine Zertifikation aber nicht kostenlos bereitgestellt werden können. Hier sehe ich wiederum Politik und Staat gefordert soziale Ungleichheiten auszugleichen und auch die Zertifizierung von Wissen etwaigen sozial Benachteiligten zu ermöglichen. Andernfalls wird Wiki-Learnia schon bei dem Punkt der Lernmotivation dem Anspruch des Kampfes gegen Wissensarmut nicht gerecht werden. Wie immer dient auch dieser Blogbeitrag vornehmlich meiner eigenen Verarbeitung und erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch auf Richtigkeit. Bei Diskussionsbedarf oder Fehlern freue ich mich aber immer auf Kommentare und Anmerkungen.

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Eingeordnet unter Bachelor Bildungswissenschaften

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