Monatsarchiv: April 2013

Homo Zappiens (Eröffnungsaufgabe zum IDDG13)

In der ersten Woche des MOOC der Fernunihagen (#iddg13) gab es folgende Aufgabe: Suchen und besprechen sie mindestens zwei Ressourcen ihrer Wahl zum Thema Lernen und Lehren in der digitalen Gesellschaft und stellen sie ihre Sichtweise dazu dar.

In diesem Rahmen möchte ich folgende Beiträge einbringen und auf den Impulsbeitrag und die Zusatzbeiträge von Prof Bastiaens beziehen:

1) Das Flipped Classroom Modell

2) CSCL Kollaboratives und kooperatives Lernen mit Google Docs, am Beispiel einer Lerngruppe des Studiengangs BA Bildungswissenschaften für das Modul 2D “Soziologie”.

1) Das “Flipped classroom” Modell oder zu deutsch auch das Modell des “umgedrehten Klassenzimmers” beruht auf der Idee die Grundlagen einer Lerneinheit nicht durch eine One-Man-Show des Lehrers (allgemeiner des Lehrenden) in der (immer zu knapp bemessenen) Unterrichtszeit vorzustellen, sondern die Grundlagen als Selbststudiermaterial im Vorfeld bereitzustellen, um in den Unterrichtseinheiten in eine inhaltliche Diskussion über den erarbeiteten Stoff zu kommen. Ist dieses Konzept nun etwas Neues, “etwas digitales” ? Viele Lehrer werden dies verneinen und sagen, es ähnelt doch stark der Methode Lernmaterial im Vorfeld zu bearbeiten (Lest bis zur nächsten Stunde im Buch Seite xy bis xz) um dann im Unterricht darüber sprechen zu können. Also nichts “Neues” “Digitales” am “flipped classroom – Modell? Nach meiner Meinung sind es die Möglichkeiten in der digitalen Gesellschaft, die dieses Konzept heute so reizvoll machen. Zum einen ist das Grundlagenwissen in vielen medialen Formen darstellbar: Video, Vodcast, Präsentation, Text bieten die Möglichkeit alle Sinnesorgane mit denen gelernt werden kann anzusprechen und das bei zu früher vergleichsweise sehr geringem Aufwand seitens der Lehrenden. Ein weiterer Vorteil des Konzeptes ist die freiere und individuellere Wahl der Lernzeit, sowie der freien Wahl wie oft der Lernstoff wiederholt wird. Der Lernende entscheidet also selbst, wann und mit welchem Aufwand er den Stoff bearbeitet. Dieses setzt aber auch ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit voraus. Der Lernstoff muss (und zwar so oft bis er verstanden ist) bis zur nächsten Unterrichtseinheit bearbeitet sein, um der zugehörigen Präsenzveranstaltung dann auch folgen zu können bzw. noch besser sich in die dortige Diskussion auch einbringen zu können. Unverstandenes sollte bis dahin zumindestens so als Frage formuliert werden können, dass es von den anderen im Klassenraum auch beantwortet werden kann. Diese notwendige Eigenverantwortung setzt dem Konzept aber auch seine Grenzen, vor allem im schulischen Bereich muss jeder Lehrer selbst beurteilen, ob seine Schüler in der Lage sind mit dieser Verantwortung umzugehen. Im Hochschulbereich arbeiten Christian Spannagel (1) und Jörn Loviscach (4) sehr engagiert und erfolgreich mit dem “Flipped Classroom” Konzept. Nach meiner Meinung ist auch unser Konzept an der Fernuniversität in Hagen ein Flipped Classroom Modell, denn in den Studienbriefen erabeiten wir eigenständig die Grundlagen, mit denen wir dann inhaltlich auf Moodle diskutieren. (hier (2) auf der Informationsveranstaltung des Sommersemesters 2012 BA Bildungswissenschaft schon angedeutet und auf den Folien (3) dargestellt). Nicht nur in der Fernuniversität sondern auch in vielen Erwachsenenweiterbildungen bietet diese Methode eine große Chance Lernen effektiver zu gestalten. Werden vor Beginn einer Präsenzveranstaltung Grundlageninformationen an die Teilnehmer geleitet, können diese sich auf der Präsenzveranstaltung wesentlich besser einbringen, als wenn sie zu gerade gehörten Vorträgen Stellung nehmen müssen, immer unter der Vorraussetzung, dass sich die Teilnehmer auch mit dem Material vorab eigenverantwortlich auseinandersetzen, ansonsten führt diese Methode ins Gegenteil, einer inhaltslosen Diskussion.

Links und Literatur
1) http://wiki.zum.de/Flipped_Classroom
2) http://video.fernuni-hagen.de:8080/ramgen/BA_bildwiss/2012/03/31_01_06.smil
3) http://www.fernuni-hagen.de/videostreaming/BA_bildwiss/201203/schakinnis.pdf
4) http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rn_Loviscach
5) http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&frm=1&source=web&cd=9&cad=rja&sqi=2&ved=0CGYQFjAI&url=http%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fuser%2FJoernLoviscach&ei=NH9_UdmJCsWBtAa3pYHQBg&usg=AFQjCNFozJssMv_FBVTWYnfjKECkO2zXkA&sig2=QOhF-q_7TJAH0GvOFsjVFg

2) CSCL (Hinz 2004) Kooperatives und kollaboratives Lernen am Beispiel der Nutzung von Google Docs in einer Lerngruppe des Studienganges BA Bildungswissenschaften zum Modul 2D “Soziologie”

Kooperatives Lernen (2)bedeutet Aufgaben individuell zu bearbeiten und am Ende zu einer gemeinsamen Lernunterlage den Stoff aller Gruppenteilnehmer zusammenzufügen. Dagegen wird beim kollaborativem Lernen (3) permanent in der Gruppe zusammengearbeitet um ein Dokument zu erstellen, bzw eine Lernaufgabe zu bewältigen (Hinze 2004). In unserer Lerngruppe wurden diese beiden Konzepte kombiniert. Ferner gab es in dieser Gruppe einige digitale Programme, die in diesem Semester zum Einsatz kamen, um den Stoff zu erarbeiten. Zur Projektkoordinierung und für Absprachen aller Art wurde ein Skypegruppenchat eingerichtet. In den ersten Diskussionen über die Erstellung von klausurvorbreitenden Lerndokumenten fiel die Wahl auf Google Docs, aufgrund der Möglichkeit an einem Dokument mit mehreren Leuten gleichzeitig arbeiten zu können. Mit der zusätzlichen Möglichkeit des Chattens neben dem eigentlichen Dokument, kommt hierbei auch nur “klausurrelevantes” in das Lerndokument, trotzdem können Fragen über Art und Gestaltung, Stoffumfang während des Arbeitens abgeklärt werden, ohne die Seite bzw das Programm wechseln zu müssen. Bei Problemen zu deren Klärung der Chat nicht mehr genügte, setzte unsere Lerngruppe zusätzlich die Audiofunktion von Skype ein. Wir haben zu Anfang für jeden Studienbrief ein Lerndokument erstellt und in dieses die Fragen aus Moodle eingefügt. Den ersten Studienbrief haben wir kollaborativ gemeinsam an zwei Abenden erarbeitet. Danach wurden die verbleibenden Studienbriefe aufgeteilt und in kooperativer Arbeitsweise erstellt. Im Anschluss erfolgte dann wieder eine kollaborative Aussprache, um am Ende ein klausurvorbereitungsrelevantes Dokument zu erstellen. Nebenbei erstellten zwei Kommilitoninnen noch Audio Dokumente mit Zusammenfassungen der Studienbriefe, die auf der GoogleDrive Basis der Lerngruppe bereitgestellt wurden und für die alle Lerngruppenmitglieder die Nutzungsrechte erhielten.

Literatur:

(1) Hinze, U. (2004). Computergestütztes kooperatives Lernen. Einführung in Technik, Pädagogik und Organisation des CSCL. Münster: Waxmann.

(2) http://www.kooperatives-lernen.de/dc/CL/index.html

(3)http://elearn.jku.at/wiki/index.php/Gestalten_und_Evaluieren_von_eLearning_Szenarien/Kooperatives_und_Kollaboratives_Lernen_mit_Neuen_Medien

Fazit: Bezugnehmend auf die Impulsbeiträge von Prof. Bastiaens sind meine Beiträge und Ansichten eher dem Ansatz von Prof. Schulmeister zuzurechnen. Denn vor allem in meiner Lerngruppe sind eher DSL (Digital Second Language) Speakers im Sinne des Vortrages von Ian Jukes anzutreffen, die sich aber dennoch lerntintensiv im Bereich der Neuen Medien engagiert haben. Eine endgültige Bewertung inwieweit und mit welchen Merkmalen man eine Generation von “Digital natives” wissenschaftlich verorten kann möchte ich hier aber noch nicht vornehmen, denn eine andere (selbstverständliche Art der Nutzung neuer Medien) nehme ich bei meinem 14- jährigen Sohn dennoch war und werde dieses weiter beobachten, evtl wird im Blog später hierzu noch ein vertiefender Beitrag folgen. Dagegen halte ich die Konnektivismustheorie (1) (2) (3) von G. Siemens und Stephen Downs doch für sehr gewinnbringend in der Lehr- Lernforschung, denn der Zugriff (der sich durch das Internet und die Abrufmöglichkeiten aus diesem) auf Wissen wird auch unser Lernverhalten beeinflussen und gibt dem selbstgesteuerten Lernen der Konstruktivismustheorie neue Impulse. Ob es in Zukunft ausreicht Wissen nur noch abrufen zu können wenn man es braucht, ist eine extreme Position, die sich argumentativ selbst verneint, weil ja Wissen notwendig ist um entsprechende Recherchen überhaupt und vor allem effektiv zu betreiben. Allerdings wird sich der Wissenskanon des aktuellen Bildungsystems hin zu Recherchekompetenzen und weg von Spezialwissen entwickeln müssen. Das ist letztlich auch der Ansatz im Konzept des “Lebenslangen Lernens” (4) , für den wir Recherchekompetenzen benötigen um unser Wissen “On demand” zu erweitern bzw. um unser Netzwerk effizient nutzen zu können.

(1) http://www.elearning2null.de/publikationen/expose/2-lerntheoretischer-hintergrund/

(2) http://widawiki.wiso.uni-dortmund.de/index.php/Konnektivismus

(3) http://silkehinrichs.wordpress.com/2009/08/07/was-ist-konnektivismus/

(4) http://web.archive.org/web/20080822031749/http://www.bmbf.de/de/411.php

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Expertenforum OER Suche vom 22.04.2013 #coer13

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Ein paar Gedanken zum gestrigen Expertenforum „OER suchen und finden“, dessen Aufzeichnung man sich hier in voller Länge anhören kann. Vorab die Frage ob der gerade so richtig in Gang kommende Schwung zur Erstellung von OER Materialien nicht durch die aktuelle Telekom Entscheidung über das Einstellen der Daten Flatrates torpediert wird. Aufwendig erstellte Lernmaterialien schlucken auch große Datenmengen. Markus Beckedahl spricht auf netzpolitik.org heute schon von einer Etablierung einer 2 Klassengesellschaft im Netz. Wenn mit viel Aufwand und Mühe offene Lernmaterialien ins Netz gestellt werden, die dann aufgrund von Datenmengenbeschränkungen nicht mehr (bzw. nicht mehr sinnvoll dank drastisch reduzierter Übertragungsgeschwindigkeit) genutzt werden können, kommt der Sinn und Zweck von OER in Gefahr. Auch die Frage wer noch Material ins Netz stellt, wenn es von seinem Volumenkonto abgezogen wird, könnte hierbei eine Rolle spielen. Daher sollte die Netzneutralität dringend staatenübergreifend verankert werden.

Zurück zum Online Event „Suchen und Finden von OER Material“.  Dr. Roland Klemke von der Open Universiteit NL stellte das Forschungsprojekt ICOPER vor. Icoper beruht auf dem Prinzip Outcome oriented Learning und will damit den Fokus auf das Beschreiben der Lernergebnisse legen. Es berücksichtigt, das freie Lernmaterialien immer wieder auf aktuelle Lernprozesse und zugehörigen Kontext angepasst werden müssen. Die Lernergebnisse für Lernmaterial sollen also umfassend beschrieben sein (als Anhang zum Lernmaterial), auf diese Ergebnise hin kann das Material dann zielgenauer recherchiert und auch zielgenau individuell angepasst werden. Auf dieser Basis stellt Icoper eine Metadatenbank für Lehrmaterial zusammen. Als Referenzmodell sollen durch ICOPER Standards zur Metadatenver- und bearbeitung und zur Beschreibung von Lernergebnissen entwickelt werden.

Martin Wolpers von der Fraunhofer Gesellschaft stellte die Projekte MACE und OPEN SCOUT vor. MACE stellt eine Metadatenbank für Architekturbezogene Lehr-, Lernmaterialien dar.  Open Scout stellt Material für Management Training bereit. Neben traditionellen inhaltsbezogenen Metadaten kommen dabei auch Lernprozess- und Designmetadaten sowie benutzerbezogene und soziale Metadaten zum Einsatz. Dabei stellen sich oft die Probleme woher die Daten kommen. Die Bereitschaft dazu eigene Materialien zur Verfügung zu stellen war auch aufgrund von Konkurrenzdenken unter den Architekten sehr groß. Dies gilt insbesondere auch für Beschreibungen der Materialien. OER Materialien sind also teilweise nur Rohdaten, was und in welchen Lernprozessen mit dem Material gelernt werden soll muss man also mühsam selber herausfinden. Dies hat natürlich auch den Hintergrund das die Erstellung und die Entwicklung von Lehrmaterial sehr teuer ist und gegenfinanziert werden soll. Aus diesem Grund sind auch Universitäten oft nicht sehr freizügig in der zur Verfügungstellung von Lehrmaterial, oft sind sie auch gegen Geld nicht dazu bereit, sie wollen das die Studenten an ihrer Universität studieren. Die Forschungsprojekte sollen auf Materialien verweisen und Lehrende ermutigen Materialien bereitzustellen, die an eigene Kontexte angepasst und anschließend in neuem Zusammenhang wieder bereitgestellt werden können. Open Scout versucht dabei zusätzlich einen Bewertungsprozess als maschinenlesbares Programm zu etablieren, der die Qualität der Lernmaterialien gewährleisten kann. Interessant war der Einwand von Herrn Wolfers das die CC Lizenzen noch nicht durch Gerichtsurteile betätigt sind und somit auch bei diesem Modell noch Rechtsunsicherheit besteht.

Richard Heinen vom Duisburg Learning Lab machte dann noch ein paar Anmerkungen zum schon im Coer13 vorgestellten Programm Edutags. In Edutags sollen Bildungsressourcen gemeinsam gesammelt werden. Die Ressourcen werden mit (möglichst) passenden Begriffen getaggt um sie sortiert nach Sachgebieten leicht auffindbar zu machen. Für die offenen Materialien stehen dann 4 Schnittstellen bereit, um die Materialien seinen Lernenden verfügbar zu machen. Es geht per rss-feed, per PDF Dokument (natürlich auch hier mit Einbindemöglichkeit in ein LMS System) , als HTML Export in ein LMS System (z.b. Moodle) oder man kann die Edutagscloud zu einem Thema in eine Website einbinden.

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Auftakt #coer13 einem Kurs zu freien Bildungsmaterialien

Am 08.042013 beginnt der COER 13, ein offener Kurs über freie Bildungsmaterialien. Als Fernunistudent der Bildungswissenschaften werde ich diesen in den nächsten Wochen intensiv verfolgen. Zum einen interessiert mich als angehender Bildungswissenschaftler natürlich womit ich rechtssicher Unterrichtsmaterialien erstellen kann, zum anderen möchte ich allerdings auch wissen welche Mittel ich habe eigene Entwürfe von Lernunterlagen zu schützen. Hierbei steht nicht immer eine monetäre Verwertung im Fokus, so dass die CC Lizenzen von Creative Commons eine besondere Beachtung finden werden. Die anfängliche Begleitlektüre hierzu werden einige Artikel im „Jahrbuch Netzpolitik 2012“ von Markus Beckedahl und Andre Meister sein. Viele dieser Artikel und einige mehr zu OER Themen findet man auf netzpolitik.org. Ferner gibt es gute Hintergrundlektüre von der Bundeszentrale für politische Bildung, ein guter Reader ist hier die Zeitschrift APuZ mit der Ausgabe 41-42/2012 zur Zukunft des Publizierens. Ab morgen kommen über den #COER13 sicher auch viele lesenswerte Artikel dazu.

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