Expertenforum OER Suche vom 22.04.2013 #coer13

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Ein paar Gedanken zum gestrigen Expertenforum „OER suchen und finden“, dessen Aufzeichnung man sich hier in voller Länge anhören kann. Vorab die Frage ob der gerade so richtig in Gang kommende Schwung zur Erstellung von OER Materialien nicht durch die aktuelle Telekom Entscheidung über das Einstellen der Daten Flatrates torpediert wird. Aufwendig erstellte Lernmaterialien schlucken auch große Datenmengen. Markus Beckedahl spricht auf netzpolitik.org heute schon von einer Etablierung einer 2 Klassengesellschaft im Netz. Wenn mit viel Aufwand und Mühe offene Lernmaterialien ins Netz gestellt werden, die dann aufgrund von Datenmengenbeschränkungen nicht mehr (bzw. nicht mehr sinnvoll dank drastisch reduzierter Übertragungsgeschwindigkeit) genutzt werden können, kommt der Sinn und Zweck von OER in Gefahr. Auch die Frage wer noch Material ins Netz stellt, wenn es von seinem Volumenkonto abgezogen wird, könnte hierbei eine Rolle spielen. Daher sollte die Netzneutralität dringend staatenübergreifend verankert werden.

Zurück zum Online Event „Suchen und Finden von OER Material“.  Dr. Roland Klemke von der Open Universiteit NL stellte das Forschungsprojekt ICOPER vor. Icoper beruht auf dem Prinzip Outcome oriented Learning und will damit den Fokus auf das Beschreiben der Lernergebnisse legen. Es berücksichtigt, das freie Lernmaterialien immer wieder auf aktuelle Lernprozesse und zugehörigen Kontext angepasst werden müssen. Die Lernergebnisse für Lernmaterial sollen also umfassend beschrieben sein (als Anhang zum Lernmaterial), auf diese Ergebnise hin kann das Material dann zielgenauer recherchiert und auch zielgenau individuell angepasst werden. Auf dieser Basis stellt Icoper eine Metadatenbank für Lehrmaterial zusammen. Als Referenzmodell sollen durch ICOPER Standards zur Metadatenver- und bearbeitung und zur Beschreibung von Lernergebnissen entwickelt werden.

Martin Wolpers von der Fraunhofer Gesellschaft stellte die Projekte MACE und OPEN SCOUT vor. MACE stellt eine Metadatenbank für Architekturbezogene Lehr-, Lernmaterialien dar.  Open Scout stellt Material für Management Training bereit. Neben traditionellen inhaltsbezogenen Metadaten kommen dabei auch Lernprozess- und Designmetadaten sowie benutzerbezogene und soziale Metadaten zum Einsatz. Dabei stellen sich oft die Probleme woher die Daten kommen. Die Bereitschaft dazu eigene Materialien zur Verfügung zu stellen war auch aufgrund von Konkurrenzdenken unter den Architekten sehr groß. Dies gilt insbesondere auch für Beschreibungen der Materialien. OER Materialien sind also teilweise nur Rohdaten, was und in welchen Lernprozessen mit dem Material gelernt werden soll muss man also mühsam selber herausfinden. Dies hat natürlich auch den Hintergrund das die Erstellung und die Entwicklung von Lehrmaterial sehr teuer ist und gegenfinanziert werden soll. Aus diesem Grund sind auch Universitäten oft nicht sehr freizügig in der zur Verfügungstellung von Lehrmaterial, oft sind sie auch gegen Geld nicht dazu bereit, sie wollen das die Studenten an ihrer Universität studieren. Die Forschungsprojekte sollen auf Materialien verweisen und Lehrende ermutigen Materialien bereitzustellen, die an eigene Kontexte angepasst und anschließend in neuem Zusammenhang wieder bereitgestellt werden können. Open Scout versucht dabei zusätzlich einen Bewertungsprozess als maschinenlesbares Programm zu etablieren, der die Qualität der Lernmaterialien gewährleisten kann. Interessant war der Einwand von Herrn Wolfers das die CC Lizenzen noch nicht durch Gerichtsurteile betätigt sind und somit auch bei diesem Modell noch Rechtsunsicherheit besteht.

Richard Heinen vom Duisburg Learning Lab machte dann noch ein paar Anmerkungen zum schon im Coer13 vorgestellten Programm Edutags. In Edutags sollen Bildungsressourcen gemeinsam gesammelt werden. Die Ressourcen werden mit (möglichst) passenden Begriffen getaggt um sie sortiert nach Sachgebieten leicht auffindbar zu machen. Für die offenen Materialien stehen dann 4 Schnittstellen bereit, um die Materialien seinen Lernenden verfügbar zu machen. Es geht per rss-feed, per PDF Dokument (natürlich auch hier mit Einbindemöglichkeit in ein LMS System) , als HTML Export in ein LMS System (z.b. Moodle) oder man kann die Edutagscloud zu einem Thema in eine Website einbinden.

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Bachelor Bildungswissenschaften, COER13

6 Antworten zu “Expertenforum OER Suche vom 22.04.2013 #coer13

  1. Es stimmt die Netzwerkneutralität (also dass wir alle gleiche Datenbandbreiten haben) wird immer mehr Thema werden. Glaubt man den letzten Zahlen haben wir langfristig wohl keine Chance keine Beschränkungen unterliegen zu müssen. Aber umgekehrt ist es eigentlich real schon so, denn wenn alle meine Nachbarn mit mir abends im Netz sind, ist meine Bandbreite nicht mal in Ansätzen das was mir die Telekom verspricht.
    Nichtsdestotrotz glaub ich nicht, dass dies ein Problem für OER wird, denn ohne Netz ist für unsere Kinder undenkbar, daher wird es technisch gesehen viel schneller weitergehen als wir uns wohl vorstellen können.

  2. Marc, ich finde deinen Hinweis auf die Netzneutralität die möglichen Folgen fehlender Daten-Flatrates enorm wichtig! Diese Art der Regulation spielt den TK-Unternehmen mal wieder in die Tasche (die mit begrenzten Datenvolumen mehr verdienen können). Im Bildungskontext ist die Abschaffung der Daten-Flatrates ein Ausfall gegen die noch junge OpenAccess- und OpenContent-Bewegung.

  3. Ja Luka, hoffe es werden noch viele die so denken. Vielleicht lässt sich diesem Trend ja noch entgegenwirken. LG Marc

  4. Hallo Martin,
    ja das es weitergehen wird mit dem Netz glaube ich auch. Aber wenn die Netzneutralität dermaßen missachtet wird, bekommen wir in Zukunft für unsere Kinder ein sehr gefiltertes (um nicht zensiertes zu sagen) Netzangebot. Dem muss unbedingt entgegengewirkt werden. Das größte Problem ist nach meiner Meinung die Auswahl welche Dienste für den Volumenverbrauch angerechnet werden und welche nicht. Mit diesem System sind Manipulationen Tür und Tor geöffnet die dem „Open“ Gedanken nicht nur bei OER massiv widersprechen. LG Marc

  5. Nochmal zur Netzneutralität: Nicht das wir alle gleiche Bandbreiten haben ist entscheidend, das ist ja auch heute nicht gegeben, sondern das alle Datenpakete ohne Wertigkeit mit gleicher Bandbreite weitergeleitet werden ist entscheidend. Was passiert wenn eine Fachlehrergemeinschaft gutes OER Lehrmaterial zur Verfügung stellt, das dann so ab 10. jeden Monat praktisch nicht mehr genutzt werden kann, weil der Volumentarif des privat finanzierten Servers erschöpft ist. … dann heißt es nutzt doch das Angebot von Verlag XY, der im Verbund mit Internetanbieter Xy com steht. Für mich besteht hier die Gefahr für OER. LG Marc

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