Monatsarchiv: Juni 2013

#Exif13 Ist Hermeneutik Forschung?

Zu den Ausführungen von Prof. Bastiaens zur Definition von Forschung gab es einige Kritik. In vielen Beiträgen könnte hierzu ein Missverständnis vorliegen. Prof Bastiaens fordert von Forschungsarbeiten in seinem Fachbereich einen „Mehrwert“ für die Praxis oder für die Forschung. Und vor allem fordert er diesen Mehrwert in der Niederschrift der Forschungsarbeit auch darzustellen. In einigen studentischen Arbeiten scheint dies nicht immer zu gelingen, darauf hat er aufmerksam gemacht. Er bezog sich dabei auf die Bildungswissenschaften innerhalb der Sozialwissenschaften, als sein Fachgebiet. Dabei hat er aber keine Forschungsmethoden ausgeschlossen, auch wenn er die Sozialwissenschaften von den Geisteswissenschaften als Forschungsbereich abgegrenzt hat, was man sicher kontrovers diskutieren kann. Seine Forderung Theorie auf die eigene Forschungsarbeit zu beziehen und ein eigenes Ergebnis zu präsentieren, und sich nicht im reinen beschreibenden theoretisieren zu verlieren ist für mich ein hilfreicher Tipp an Studenten und zukünftige Forscher. Auch für hermeneutische Forschungsarbeiten kann dieser Hinweis sehr hilfreich sein. Hermeneutische Arbeiten brauchen eine Forschungsfrage über eine hermeneutische Differenz.

Der Ausdruck ‚hermeneutische Differenz‘ oder  auch ‚Distanz‘ macht auf ein Grundproblem aller sprachlichen Kommunikation wie auch der  reflektierten Interpretation aufmerksam: Das was verstanden bzw. gedeutet werden soll, ist  zunächst fremd, abständig, distanziert, und muß erst im Verstehens- bzw.  Deutungsakt ‚angeeignet‘ werden.

Aus: Hans-Georg Gadamer: Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik, 3. Aufl. Tübingen 1972.

Diese „hermeneutische Differenz“ muss dann in einer Forschungsarbeit auch herausgearbeitet und niedergeschrieben werden, um einen Mehrwert zu erzielen.

Aus diesem Grund fand ich den Hinweis von Prof Bastiaens für die anstehenden Forschungsarbeiten in meinem Studium sehr hilfreich. Zu schnell verirrt man sich in der reinen Beschreibung bestehender Theorien und verliert sein „Ziel“ aus den Augen. Dabei liegt genau hierin der eigentliche Sinn in einer Forschungsarbeit und macht das „forschende Lernen“ so interessant und grenzt es von rein reproduzierendem Klausurlernen ab.

Ob ihr aus den Ausführungen von Prof Bastiaens etwas anderes herauslest, könnt hier nicht nur im Video, sondern auch hier im Edupad zur Transkription des ersten Impulsvortrages des cMoocs „Entdecke die Insel der Forschung“ (#ExiF13), Teil I, aber auch direkt im Video überprüfen.

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Tag 2: Als Student der Bildungswissenschaft auf dem Jungen Forum Medien und Hochschulentwicklung (#JFMH13): Lern- und Bildungsprozesse gestalten und erforschen

UnbenanntPassend zum Beginn meiner Reflektion des Tages zwei auf dem #jfmh13 las ich gerade auf Twitter obiges Zitat von Barack Obama.
Jess Erickson die Gründerin von „Berlin Geekettes“ referierte am Samstag morgen die Keynote zum Thema “The importance of strong communities in the content of informal learning processes.”

Weil, vor allem unser Arbeitsleben nicht mehr nur von eigenen Lern – und Erfahrungsprozessen, sondern vor allem auch vom Austausch mit anderen abhängt, wird eine gute Vernetzung für diese Prozesse immer wichtiger. Jess Erickson stellte bei einem ihrer ersten Berlinbesuche fest, dass Frauen im technologischen Bereich hier deutlich unterrepräsentiert sind, insbesondere in höheren Positionen. Dies veranlasste sie “Berlin Geekettes” ins Leben zu rufen, eine neue gemeinnützige Organisation, die Beziehungen zwischen weiblichen Unternehmern in der Technologie-Branche erleichtern soll. Erickson sagt, das ihr klar wurde, dass weibliche IT-Experten ihre eigene Infrastruktur brauchen, um Wissen und Erfahrung zu teilen. Die Organisation wächst organisch und will somit intensiv auf persönliche Beziehungen aufbauen und das somit gewonnene Vertrauen nutzen. Wir tauschen Erfahrungen aus, entwickeln Strategien und Lösungen für gemeinsame Probleme und unterstützen uns gegenseitig beruflich und persönlich, sagt Jess Erickson. Hierzu werden sowohl offline Treffen genutzt, als auch ein eigens eingerichtetes Blogportal und diverse Social Media Kanäle.

Nach diesem Warmup gingen die Teilnehmer wieder zu den Kurzvorträgen in die Gruppenräume. Da stand für mich als erstes “Peer Tutoring im interkulturellen Lernsetting” von Stefanie Vogler-Lipp, die an der Viadrina in Frankfurt/Oder in einer Forschungsarbeit zwei Themen verbinden will, auf dem Programm. Interkultureller Kompetenzerwerb soll mit Peer Tutoring verknüpft werden. In diesem Kontext entstehen zwei zentrale Fragestellungen: Wie gut lässt sich Peer Tutoring als Lern- und Vermittlungsmethode im interkulturellen Lernsetting einsetzen und wie kann Peer Tutoring zur (Lern-) Unterstützung für international Studierende effektiv genutzt werden. Dabei kann das Tutoring als Peer Learning mit Lernenden auf Augenhöhe untersucht werden, aber auch als Lehr- Lernmethode betrachtet werden.

Diese Effekte sollen an internationalen Studiengruppen untersucht werden. Schwierigkeiten könnten unter anderem dabei auftauchen den interkulturellen Kompetenzerwerb auf Tutorenseite messbar zu machen, vor allem auch zeitnah messbar zu machen. Interkulturelle Tutorengruppen an der Viadrina sind eingerichtet, leiten Studierende an und führen Workshops zu interkulturellen Themen durch. Es zeigte sich in der Diskussion, dass methodisch noch Unsicherheit besteht, ob Interviews die (richtige) einzige Methode zur Datenerhebung sind oder wie die Gestaltung der Abfrage der Lernerfahrungen anders operationalisiert werden kann. Ferner muss die Forschungsfrage eventuell noch stärker eingegrenzt werden, um verwertbare Ergebnisse erzielen zu können.

Im nächsten Projekt stellte Carmen Biel vom Leibnizinstitut für Wissenschaften in Tübingen ihr Projekt zum “Selbstbestimmten Lernen im Klassenzimmer des 21.Jahrhundert” vor. Darin soll ein Konzept zur Lehrerfortbildung bezüglich der Förderung des selbstbestimmten Lernens mit digitalen Medien entwickelt werden. Auf der Grundlage einer  Metaanalyse von Dignath und Büttner aus dem Jahr 2008 (zusammenfassende Analyse von Primäruntersuchungen)mit 74 Studien über selbstreguliertes Lernen im Klassenzimmer , wobei 50% der Untersuchungsklassen von Lehrern und 50% von Forschern unterrichtet wurden, die zeigte, dass die Schüler in den von Forschern geleiteten Klassen signifikant mehr profitiert hatten, soll ein geeignetes Lehrertraining entwickelt werden. Die Schlussfolgerung ein gut gestaltetes Lehrertraining zu organisieren zeigt allerdings nicht, ob der Effekt berücksichtigt werden kann, dass Schüler anders reagieren wenn sie von Personen außerhalb der regulären Lehrerschaft unterrichtet werden und nur daher die Forscher mehr Aufmerksamkeit der Schüler bekamen als deren reguläre Lehrer. Verschiedene Möglichkeiten eines spezifischen  Lehrertrainings sollen im Rahmen der Arbeit untersuchtwerden, um ein hierfür  geeignetes  didaktisches Modell zu entwickeln. Inspiriert vom Design Based Research, indem wissenschaftliche und praktische Maßnahmen verglichen werden, wurden zwei Trainingskonzepte für die Lehrerfortbildung und ein Offenes Lernermodell entwickelt, die sich in der anfänglichen Testphase befinden. Ein Problem könnte sich bei der Auswertung aufgrund der Validität (extern limitiert durch die beschränkte Auswahl der Zusammenarbeit) ergeben, wenn nur freiwillige Lehrer in die Fortbildungsmaßnahme aufgenommen werden können, sinnvoll wäre es in einem späteren Stadium der Forschungsarbeit Schulen zu finden, die  das Modell versuchsweise als Gesamtkonzept einführen. Interessierte Lehrer können sich bei Carmen Biel über eine mögliche Zusammenarbeit informieren.

Im letzten Workshop dieser Einheit stellte Dr. Eva Kleß vom Fachgebiet Pädagogik der TU Kaiserslautern über “Selbstlernphasen im Rahmen des Selbststudiums gestalten” vor. Für mich als Fernstudent wieder ein sehr interessantes Thema, da in meinem Studiumformat die Selbstlernphasen und das Selbststudium einen sehr hohen Anteil ausmachen. Wie sind die Selbstlernphasen, die ja seit der Bologna Reform durch die Vergabe von ECTS Punkten als Leistungspunkte berücksichtigt werden, von den Studenten didaktisch strukturiert. Das Forschungsdesign beinhaltet Literaturrecherchen, Befragungen mit folgender Analyse des IST-Zustandes und der Darstellung bestehender und möglicher Methoden zur Strukturierung des Selbststudiums. Interessant hierzu ist die Zeitstudie von Prof. Rolf Schulmeister, zu der es auch hier einen Film gibt.

Nach der Mittagspause gab es dann eine weitere Session mit 3 Projektvorstellungen . Im folgenden Projekt stellten zwei (leider jetzt schon ehemalige) Mitarbeiter der Fernuniversität in Hagen eine Untersuchung zu Gruppenarbeiten mit Peer-Review Verfahren in der Online Lehre vor. Im Masterstudiengang Bildung und Medien ist der prüfenden Hausarbeit eine Gruppenlernphase mit anschließendem Peer Review Verfahren auf der Moodle Plattform vorgeschaltet. Hierzu erstellten Gruppen mit 5-6 TN im Wiki der Moodleumgebung ein fiktives Seminarkonzept, das anschließend anonymisiert wieder hochgeladen wurde. Nach festgelegten Kriterien beurteilten die Studenten anschließend gutachterlich die Ergebnisse. Die Diskussion über das Projekt ergab, daß die klar kommunizierten Richtlinien extrem wichtig für das Peer-Review Verfahren sind, Vergleiche von Peer- und Dozentenreview ergaben an der Uni Paderborn doch erhebliche Verzerrungen, ohne eine Tendenz dabei verorten zu können. Die Universität Paderborn erzielte in einem weiteren Versuch bessere Ergebnisse, nachdem sie die Feedbackkriterien zusammen mit den Studenten im Vorfeld des Peer Review entwickelte. Weiterhin wurde diskutiert Peer Review Verfahren nicht bei zu geringer Lehrendenbetreuung kompensatorisch einzusetzen. Aber das Peer Review wird im Zuge des selbstgesteuerten und vernetzten Lernens immer wichtiger, auch die Bewertungen in CMoocs funktionieren nach dem Peer Review Verfahren. Interessante Diskussion, der Beitrag von T.Junge und Maria Flück soll veröffentlicht werden, ich werde es weiter verfolgen.

Den anschließenden Beitrag hatte ich aus Vorfreude schon für Freitag angekündigt und damit den Oliver Tacke hoffentlich nicht zu nervös gemacht. Mareike Beuße, Thomas Czerwionka und Oliver Tacke stellten ihr Projekt “Lehrportfolios” an der TU Braunschweig vor. Jedem Lehrenden an der TU Braunschweig wird ein Lehrportfolio auf der Plattform teach4TU im Rahmen eines hochschuldidaktischen Projektes angeboten, ein beispielhaft genutztes ist hier aufrufbar. Dabei besteht zwar die Möglichkeit es geschlossen, teilöffentlich oder öffentlich zu nutzen, allerdings wird es trotzdem nicht von einer großen Mehrheit der Lehrenden an der TU Braunschweig genutzt. Was hält die Lehrenden von einer Nutzung des Lehrportfolios ab.? Darüber wurde angeregt mit den Vortragenden diskutiert . Privatsphäre, Urheberrecht, Angst vor Ideenklau waren die Argumente. Dabei ist das Portal an der TU Braunschweig immer zunächst auf “nicht öffentlich” eingestellt und man muss ganz bewusst etwas auf “öffentlich” schalten, wenn man es freigeben will. Einige TN waren auch der Meinung, das der Sinn eines persönlichen E-Portfolios verloren geht, da es ja ein Ort für persönliche Reflektion sein sollte und nur mal kurzfristig für eine Bewerbung “öffentlich” aus diesem Fundus geschöpft werden kann. Erzeugt eventuell die Möglichkeit “öffentlich” dabei den gesellschaftlichen Druck auf den Einzelnen es auch “öffentlich” zu machen ? Hier besteht noch Erklärungsbedarf. Oliver Tacke bittet auf seinem Blog auch um Feedback zu diesem Thema.

Direkt weiter mit dem Thema E-Portfolios ging es im letzten Beitrag in dieser Runde, allerdings sind im Projekt, daß Alexander H. Knoth als E-Learning Koordinator der Universität Potsdam vorstellte Studenten im Masterstudiengang MEGA (Master of European Governance and Administration) die Zielpersonen. Da das mit der Software Mahara implementierte E-Portfolio zu den Studienleistungen gehört, ist die Freiwilligkeit hier begrenzt. Zumal Mahara neben dem E-Portfolio auch für die Bereitstellung von Informationen und die Diskusssion unter den Studierenden genutzt wird. Trotzdem stieß man bei der Einführung auf einigen Widerstand. Mit speziell geschulten, ausgesucht medienaffinen, Dozenten und viel Mühe bei der Implementation gelang es hier aber einen gewinnbringenden Nutzen des E-Portfolio zu vermitteln. Jetzt wird Mahara dort vom E-Portfolio zu einem Social Academic Network weiterentwickelt.

Mit diesem Beitrag waren die Sessions auf dem JFMH13 beendet. Zur Schlussrunde gab es viel verdienten Applaus für die hervorragende Organisation und für die vielen fleißigen Helfer, die diese sehr gelungene Veranstaltung erst ermöglicht haben. Für die  Organisatoren der JFMH2014 haben die Potsdamer eine hohe Messlatte gelegt. Vielen Dank auch an alle TN mit denen ich netten und oft auch erkenntnisreiche Gespräche führen durfte.

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Tag 1: Als Student der Bildungswissenschaft auf dem Jungen Forum Medien und Hochschulentwicklung (#JFMH13): Lern- und Bildungsprozesse gestalten und erforschen

Zwei intensive Tage auf Nachwuchstagung der Fachgesellschaften: Deutsche Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd), Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW), Sektion Medienpädagogik (DGfE) und der Fachgruppe E-Learning (GI) am 7. und 8. Juni 2013 an der Universität Potsdam ausgerichtet von dem Netzwerk Studienqualität Brandenburg (sqb) und der AG eLEARNiNG der Universität Potsdam sind zu Ende. Neben zahlreichen netten Gesprächen und Kontakten  sind die vielfältigen Eindrücke,Erkenntnisse und Anregungen zum  Weiter-lesen und –forschen  kaum in kurze Worte zu fassen. Trotzdem  hier  ein  Versuch:

Nach einem frischen Speeddating gab es schon erste  Kontakte  und  auch  ein Student musste nicht mehr fremdeln. Sandra Hofhues und Mandy Rohs  gestalteten dann mit Ulrike Lucke , die (leider nur virtuell gehaltene) Keynote von Gabi Reimann in Form einer Fishbowl Disskussionsrunde und schafften es damit in einer sehr lockeren Atmosphäre eine rege Diskussion über das Thema Educational Design Research in Gang zu bringen. Eine Forschungsmethode die das wissenschaftliche schwarze Loch zwischen  Grundlagenforschung zur Gewinnung theoretischer Erkenntnisse und der angewandten Forschung für den praktischen Nutzen füllen will. Damit  soll zwischen wissenschaftlicher Relevanz (Rigor) und  praktischem  Nutzen (Relevanz) vermittelt werden.

In der Vermittlung  dieser beiden  Forschungsergebnisse  tauchen  aber immer wieder Probleme auf, Zeit für eine explizite  Theorieentwicklung wird in der Innovationsforschung nicht bezahlt, es stellt sich auch die Frage ob mehr Theorie in der Forschung  überhaupt  besser ist für die Praxis. Herausforderungen für die Zukunft der Educational Design Research sind also Forschungsdesign in wissenschaftliche Prozesse zu integrieren. Entwicklungsforschung braucht also in Zukunft eine Basis im wissenschaftlichen Forschungsprozess mit Best Practice Beispielen, Publikationsforen zur Vorstellung und Diskussion und sollte finanziell  stärker gefördert werden.

Nach der Auftaktveranstaltung ging die Veranstaltung in eine Gruppenphase. Dabei  musste man sich für eine von 4 Gruppen entscheiden, in der dann 3 Projekte vorgestellt wurden, die anschließend jeweils diskutiert worden sind. Angesichts der überwältigenden Anzahl spannender Themen war „Die Qual der Wahl“ angesagt.  Meine erste Wahl führte mich in die Gruppe Young Researcher 1. Hier stellte als erster Tilman-Mathies Klar von der Uni Paderborn Gedanken zu seiner Dissertation dar, in der es um die Förderung  medienpädagogischer Kompetenz angehender Lehrer geht.  Sein Ziel der Arbeit hat er auf die theoriegeleitete Entwicklung und Evaluation eines kompetenzorientierten pädagogischen Konzepts zur integrativen
Medienbildung für eine einsemestrige Basisveranstaltung angehender Lehrer gesetzt. Ein brisantes Thema wenn ich an diese Veranstaltung zu OER denke und den dort oft geäußerten Hilfebedarf der Lehrer im Bereich Medienkompetenz. Herrn Klar könnte es (vor allem mit seiner vorstudentischen Praxiserfahrung im Informatikbereich) gelingen hier eine Lücke nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Praxis zu schließen. Den Handlungszusammenhang der Medienkompetenz  zwischen Auswahl und Nutzung, sowie Gestaltung und Verbreitung von Medien hat er jedenfalls in seine Überlegungen integriert. An diese  Thema knüpft auch die nächste vorgestellte Arbeit von Alexander Martin (ebenfalls von der Universität Paderborn) an, der seinen  Schwerpunkt  aber auf die Lehrerfortbildung legt, und damit den schon  unterrichtenden  Lehrern medienpädagogische Kompetenz vermitteln möchte. Sein  Ansatz  beruht auf dem empirisch belegbaren Befund, dass  medienpädagogische  Inhalte im Unterricht bis heute nicht behandelt werden. Ziel  seiner  Forschungsarbeit ist also der Eingang von Medienthemen in die Unterrrichtspraxis. Der 3. und letzte Beitrag in dieser Runde kam von Benjamin Apelog, der eine Vertretungsprofessur an der Universität  Magdeburg innehat und ein bereits angelaufene qualitative Forschungsstudie über die Zusammenhänge von Lehrpersönlichkeit  und Seminarpraxis vorstellte. Seine Studie ist aber  sehr  langfristig  angelegt. Mit Leitbildern, Fragebögen   und  persönlichen   Tonaufnahmen möchte er, auswertend mit der Grounded Theory (nach Strauss Corbin), seine These untermauern, dass die Entwicklung (Arbeit) an einer kompetenzorientierten Didaktik der Berücksichtigung von persönlichen Lehrerfahrungen (Lehrerpersönlichkeit) bedarf, da sonst die Gefahr besteht, dass die Ausbildung von Lehrenden zu einer Art Methodenworkshop verkommt.

Die Datenauswertung zur Grounded Theory nimmt er übrigens mit dem Programm  Atlas .zi vor http://www.atlasti.com/de/index.html , das werde ich mir für mein Qualitatives Forschungsmodul mal genauer anschauen.

In der zweiten Vorstellungsrunde begann Andrea Lißner mit der Vorstellung ihres Dissertationsthemas “Selbstreflektiertes Lernen in webbasierten Lernprozessen” ,  das sie hier http://tudfolio.wordpress.com/ selbst wunderbar beschrieben hat.

Frederic Matthe stellte anschließend ein sehr ambitioniertes Forschungsvorhaben mit einem wahrhaftigen Methodenmix vor. Sein Thema ist die Vermittlung von E-Learning Kompetenz an Hochschullehrende. Seine Forschungsdesign läuft letztendlich auf eine Abduktionsforschung hinaus, d.h. er sucht nach einer sinnhaften Regel in überraschenden Fakten (nach J.Reichertz in U.Flick, E.v. Kardorff, I. Steinke (2010) Qualitative Sozialforschung Reinbek). Die Erkenntnisse aus dieser Suche sollte ihn zu einer (sprachlichen ) Hypothese führen. Diese Hypothese bedarf in der Abduktionsforschung einer mehrstufigen Überprüfung und somit hat er wohl Forschungsstoff über seine Magisterarbeit und über Jahre hinaus. Hier werde ich dranbleiben, denn ich bin sehr gespannt welchen Blitz der Erkenntnis er im Datenwust ausmacht und wie er ihn auswertet.

Von meiner Uni, der Fernuniversität in Hagen stellte dann Claudia Grüner ihr Forschungsvorhaben vor. Sie untersucht das Phänomen Lurking (in Form von Lernprozessen als aktiver, passiver Nutzer im Fernstudium. Dabei bezieht sie ihre Untersuchung auf die unterschiedlichen Nutzungsaktivitäten der Fernstudenten auf der Moodleplattform der einzelnen Module. Die Anfangsschwierigkeiten bei dieser Untersuchung sind vor allem der Datenschutz, der es schwierig macht Klausurergebnisse von aktiven und passiven Moodlenutzern unter den Studenten zu vergleichen. Die hohen Studentenzahlen an der Fernuniversität und die “Fernkommunikation” machen eine Einverständniserklärung der Versuchspersonen zu einer langwierigen Vorarbeit. Da sie mit verschiedenen Erhebungsmethoden an die Daten gelangen will habe ich mich gerne für ein Interview angeboten. Auch das Ergebnis ihrer Forschungsarbeit interessiert mich sehr und ich werde ihre Erkenntnisse/Ergebnisse weiter verfolgen.

Nach 2 mal 3 Vorträgen ging es jetzt in Workshops, ich entschied mich für das Thema Web2.0 Dienste im E- Learning, das Jörg Hafer von der AG E-Learning in Potsdam mit der Frage “Sollen wir sie einsetzen und wenn ja wie? “verbunden hatte. Nach einer anregenden Diskussion erstellten wir eine Pinboardwand mit thematisch gegliederten Web2.0 E-Learningtools und versuchten auch nach pro und kontra eine Systematisierung zu erstellen. Die vielfältigen Diskurse die Jörg Hafer auch schon in seinem Handout zum Workshop angerissen hatte traten dabei deutlich zu Tage. Offenheit – Geschlossenheit, Privatheit – Öffentlichkeit, Informationmale Selbstbestimmung – Post Privacy, Schutz – Netzneutralität, Fremdkontrolle – Selbstkontrolle, Bewertung – Selbstreflexion, Erweiterung – Fragmentierung, öffentliche Finanzierung – Kommerzialität. Zusätzlich diskutierten  wir noch eine auf das jeweilige E-Learning Portal beschränkten Nutzen der Medienkompetenz – nutzbare Medienkompetenz auch über die Lernumgebung hinaus (zum Bsp.. im Job, im Sinne von wer braucht Moodle nach dem Studium noch, aber Kompetenzen in der Anwendung von Google+, Facebook Grüppen etc. können auch im späteren Job von Nutzen sein.). Auch Verfügbarkeit und Geschwindigkeit kann eine Rolle spielen, die mächtigen Server der großen Toolanbieter sind Insellösungen einzelner Universitäten in Hinblick auf Performance massiv überlegen. Als mir noch nicht bekanntes Tools zeigte sich in dieser Diskussion ein Übersetzungsprogramm, das hier: http://www.linguee.de/ zu finden ist.

Ergebnis unseres Workshops war ein Konsens, je nach Bedarf die unterschiedlichen Gegensätze von Freiheit und Sicherheit auszuhandeln.

Zum Abschluss des offiziellen Teils des ersten Tages stellte Patrick Bettinger mit  seinem Thema “Entgrenzte Universität” Lernen als notwendige aber nicht hinreichende Vorrausetzung von Bildung dar. Er möchte Veränderungen im Lernverhalten auf die Spur kommen und hat hierzu schon einige empirische Untersuchungen durchgeführt. Entgrenzung soll dabei als Endstrukturierung und Endstandardisierung, sowie Bildung neuer Strukturen verstanden werden. Dabei liegt der klassische Fokus auf Entgrenzung von alltäglicher Lebensführung und Arbeit. Es gab hierzu empirische Untersuchungen mit studentischen Gruppen die Tablet PC zur freien Verfügung erhalten haben und in gewissen Abständen zu ihrem Nutzungsverhalten interviewt wurden. Das Forschungsdesign setzte sich zusammen aus Monatsfazit, Grundbefragung, Leitfadeninterviews mit Mapping Verfahren zur PLE Erstellung. (PLE = Personal Learning Environment (dt. Persönliche Lernumgebung) , also allgemein zu den Fragen, welche Rolle der Tablet PC  im Gebiet des Lernens und im Gebiet der Medienauswahl für die Studenten spielt. Die Befragten sind in ihrem Bewusstsein hinsichtlich der Trennung / Vermengung von Studium und Freizeit sehr unterschiedlich. Eine bewusste Auseinandersetzung mit der Entgrenzung basiert vor allem auf negativen Belastungserfahrungen. Deswegen werden Strategien gesucht, um abschalten zu

können. Befragte, die diese Belastung nicht empfinden, empfinden die Vermengung positiv, weil es praktisch ist alles an einer Stelle zu haben bzw. Leerlaufzeiten zu nutzen und somit

in Arbeitszeit zu verwandeln um Freizeit zu sparen. Die Forschungsfrage soll nach diesen empirischen Untersuchungen erweitert werden auf Entgrenzung als gesellschaftlicher Prozess im Kontext Lernen, Arbeit, Freizeitverhalten und den Prozess von der  Wissensorientierung zur Kompetenzorientierung berücksichtigen.

Auch wenn damit der offizielle Teil des ersten Tages zu Ende war, an dieser Stelle ein ganz großes Lob an die Veranstalter, die einen schönen Ort nahe am Griebnitzsee , bestes Wetter und auch noch ein musikalisches Live Event organisiert hatten, das weiteren Austausch und nette Kontakte ermöglichte.

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Heute Gastartikel von http://www.onlinecollegecourses.com/minds-behind-moocs

Allison Morris hat mich gebeten diese sehr gut gemachte Grafik von

http://www.onlinecollegecourses.com/minds-behind-moocs in meinem Blog zu posten.

Dem Wunsch komme ich gerne nach, denn die Grafik veranschaulicht den

Mooc Hype im Jahr 2012 in den USA, so wie wir ihn in Deutschland gerade

im Jahre 2013 erleben.

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