Tag 1: Als Student der Bildungswissenschaft auf dem Jungen Forum Medien und Hochschulentwicklung (#JFMH13): Lern- und Bildungsprozesse gestalten und erforschen

Zwei intensive Tage auf Nachwuchstagung der Fachgesellschaften: Deutsche Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd), Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW), Sektion Medienpädagogik (DGfE) und der Fachgruppe E-Learning (GI) am 7. und 8. Juni 2013 an der Universität Potsdam ausgerichtet von dem Netzwerk Studienqualität Brandenburg (sqb) und der AG eLEARNiNG der Universität Potsdam sind zu Ende. Neben zahlreichen netten Gesprächen und Kontakten  sind die vielfältigen Eindrücke,Erkenntnisse und Anregungen zum  Weiter-lesen und –forschen  kaum in kurze Worte zu fassen. Trotzdem  hier  ein  Versuch:

Nach einem frischen Speeddating gab es schon erste  Kontakte  und  auch  ein Student musste nicht mehr fremdeln. Sandra Hofhues und Mandy Rohs  gestalteten dann mit Ulrike Lucke , die (leider nur virtuell gehaltene) Keynote von Gabi Reimann in Form einer Fishbowl Disskussionsrunde und schafften es damit in einer sehr lockeren Atmosphäre eine rege Diskussion über das Thema Educational Design Research in Gang zu bringen. Eine Forschungsmethode die das wissenschaftliche schwarze Loch zwischen  Grundlagenforschung zur Gewinnung theoretischer Erkenntnisse und der angewandten Forschung für den praktischen Nutzen füllen will. Damit  soll zwischen wissenschaftlicher Relevanz (Rigor) und  praktischem  Nutzen (Relevanz) vermittelt werden.

In der Vermittlung  dieser beiden  Forschungsergebnisse  tauchen  aber immer wieder Probleme auf, Zeit für eine explizite  Theorieentwicklung wird in der Innovationsforschung nicht bezahlt, es stellt sich auch die Frage ob mehr Theorie in der Forschung  überhaupt  besser ist für die Praxis. Herausforderungen für die Zukunft der Educational Design Research sind also Forschungsdesign in wissenschaftliche Prozesse zu integrieren. Entwicklungsforschung braucht also in Zukunft eine Basis im wissenschaftlichen Forschungsprozess mit Best Practice Beispielen, Publikationsforen zur Vorstellung und Diskussion und sollte finanziell  stärker gefördert werden.

Nach der Auftaktveranstaltung ging die Veranstaltung in eine Gruppenphase. Dabei  musste man sich für eine von 4 Gruppen entscheiden, in der dann 3 Projekte vorgestellt wurden, die anschließend jeweils diskutiert worden sind. Angesichts der überwältigenden Anzahl spannender Themen war „Die Qual der Wahl“ angesagt.  Meine erste Wahl führte mich in die Gruppe Young Researcher 1. Hier stellte als erster Tilman-Mathies Klar von der Uni Paderborn Gedanken zu seiner Dissertation dar, in der es um die Förderung  medienpädagogischer Kompetenz angehender Lehrer geht.  Sein Ziel der Arbeit hat er auf die theoriegeleitete Entwicklung und Evaluation eines kompetenzorientierten pädagogischen Konzepts zur integrativen
Medienbildung für eine einsemestrige Basisveranstaltung angehender Lehrer gesetzt. Ein brisantes Thema wenn ich an diese Veranstaltung zu OER denke und den dort oft geäußerten Hilfebedarf der Lehrer im Bereich Medienkompetenz. Herrn Klar könnte es (vor allem mit seiner vorstudentischen Praxiserfahrung im Informatikbereich) gelingen hier eine Lücke nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Praxis zu schließen. Den Handlungszusammenhang der Medienkompetenz  zwischen Auswahl und Nutzung, sowie Gestaltung und Verbreitung von Medien hat er jedenfalls in seine Überlegungen integriert. An diese  Thema knüpft auch die nächste vorgestellte Arbeit von Alexander Martin (ebenfalls von der Universität Paderborn) an, der seinen  Schwerpunkt  aber auf die Lehrerfortbildung legt, und damit den schon  unterrichtenden  Lehrern medienpädagogische Kompetenz vermitteln möchte. Sein  Ansatz  beruht auf dem empirisch belegbaren Befund, dass  medienpädagogische  Inhalte im Unterricht bis heute nicht behandelt werden. Ziel  seiner  Forschungsarbeit ist also der Eingang von Medienthemen in die Unterrrichtspraxis. Der 3. und letzte Beitrag in dieser Runde kam von Benjamin Apelog, der eine Vertretungsprofessur an der Universität  Magdeburg innehat und ein bereits angelaufene qualitative Forschungsstudie über die Zusammenhänge von Lehrpersönlichkeit  und Seminarpraxis vorstellte. Seine Studie ist aber  sehr  langfristig  angelegt. Mit Leitbildern, Fragebögen   und  persönlichen   Tonaufnahmen möchte er, auswertend mit der Grounded Theory (nach Strauss Corbin), seine These untermauern, dass die Entwicklung (Arbeit) an einer kompetenzorientierten Didaktik der Berücksichtigung von persönlichen Lehrerfahrungen (Lehrerpersönlichkeit) bedarf, da sonst die Gefahr besteht, dass die Ausbildung von Lehrenden zu einer Art Methodenworkshop verkommt.

Die Datenauswertung zur Grounded Theory nimmt er übrigens mit dem Programm  Atlas .zi vor http://www.atlasti.com/de/index.html , das werde ich mir für mein Qualitatives Forschungsmodul mal genauer anschauen.

In der zweiten Vorstellungsrunde begann Andrea Lißner mit der Vorstellung ihres Dissertationsthemas “Selbstreflektiertes Lernen in webbasierten Lernprozessen” ,  das sie hier http://tudfolio.wordpress.com/ selbst wunderbar beschrieben hat.

Frederic Matthe stellte anschließend ein sehr ambitioniertes Forschungsvorhaben mit einem wahrhaftigen Methodenmix vor. Sein Thema ist die Vermittlung von E-Learning Kompetenz an Hochschullehrende. Seine Forschungsdesign läuft letztendlich auf eine Abduktionsforschung hinaus, d.h. er sucht nach einer sinnhaften Regel in überraschenden Fakten (nach J.Reichertz in U.Flick, E.v. Kardorff, I. Steinke (2010) Qualitative Sozialforschung Reinbek). Die Erkenntnisse aus dieser Suche sollte ihn zu einer (sprachlichen ) Hypothese führen. Diese Hypothese bedarf in der Abduktionsforschung einer mehrstufigen Überprüfung und somit hat er wohl Forschungsstoff über seine Magisterarbeit und über Jahre hinaus. Hier werde ich dranbleiben, denn ich bin sehr gespannt welchen Blitz der Erkenntnis er im Datenwust ausmacht und wie er ihn auswertet.

Von meiner Uni, der Fernuniversität in Hagen stellte dann Claudia Grüner ihr Forschungsvorhaben vor. Sie untersucht das Phänomen Lurking (in Form von Lernprozessen als aktiver, passiver Nutzer im Fernstudium. Dabei bezieht sie ihre Untersuchung auf die unterschiedlichen Nutzungsaktivitäten der Fernstudenten auf der Moodleplattform der einzelnen Module. Die Anfangsschwierigkeiten bei dieser Untersuchung sind vor allem der Datenschutz, der es schwierig macht Klausurergebnisse von aktiven und passiven Moodlenutzern unter den Studenten zu vergleichen. Die hohen Studentenzahlen an der Fernuniversität und die “Fernkommunikation” machen eine Einverständniserklärung der Versuchspersonen zu einer langwierigen Vorarbeit. Da sie mit verschiedenen Erhebungsmethoden an die Daten gelangen will habe ich mich gerne für ein Interview angeboten. Auch das Ergebnis ihrer Forschungsarbeit interessiert mich sehr und ich werde ihre Erkenntnisse/Ergebnisse weiter verfolgen.

Nach 2 mal 3 Vorträgen ging es jetzt in Workshops, ich entschied mich für das Thema Web2.0 Dienste im E- Learning, das Jörg Hafer von der AG E-Learning in Potsdam mit der Frage “Sollen wir sie einsetzen und wenn ja wie? “verbunden hatte. Nach einer anregenden Diskussion erstellten wir eine Pinboardwand mit thematisch gegliederten Web2.0 E-Learningtools und versuchten auch nach pro und kontra eine Systematisierung zu erstellen. Die vielfältigen Diskurse die Jörg Hafer auch schon in seinem Handout zum Workshop angerissen hatte traten dabei deutlich zu Tage. Offenheit – Geschlossenheit, Privatheit – Öffentlichkeit, Informationmale Selbstbestimmung – Post Privacy, Schutz – Netzneutralität, Fremdkontrolle – Selbstkontrolle, Bewertung – Selbstreflexion, Erweiterung – Fragmentierung, öffentliche Finanzierung – Kommerzialität. Zusätzlich diskutierten  wir noch eine auf das jeweilige E-Learning Portal beschränkten Nutzen der Medienkompetenz – nutzbare Medienkompetenz auch über die Lernumgebung hinaus (zum Bsp.. im Job, im Sinne von wer braucht Moodle nach dem Studium noch, aber Kompetenzen in der Anwendung von Google+, Facebook Grüppen etc. können auch im späteren Job von Nutzen sein.). Auch Verfügbarkeit und Geschwindigkeit kann eine Rolle spielen, die mächtigen Server der großen Toolanbieter sind Insellösungen einzelner Universitäten in Hinblick auf Performance massiv überlegen. Als mir noch nicht bekanntes Tools zeigte sich in dieser Diskussion ein Übersetzungsprogramm, das hier: http://www.linguee.de/ zu finden ist.

Ergebnis unseres Workshops war ein Konsens, je nach Bedarf die unterschiedlichen Gegensätze von Freiheit und Sicherheit auszuhandeln.

Zum Abschluss des offiziellen Teils des ersten Tages stellte Patrick Bettinger mit  seinem Thema “Entgrenzte Universität” Lernen als notwendige aber nicht hinreichende Vorrausetzung von Bildung dar. Er möchte Veränderungen im Lernverhalten auf die Spur kommen und hat hierzu schon einige empirische Untersuchungen durchgeführt. Entgrenzung soll dabei als Endstrukturierung und Endstandardisierung, sowie Bildung neuer Strukturen verstanden werden. Dabei liegt der klassische Fokus auf Entgrenzung von alltäglicher Lebensführung und Arbeit. Es gab hierzu empirische Untersuchungen mit studentischen Gruppen die Tablet PC zur freien Verfügung erhalten haben und in gewissen Abständen zu ihrem Nutzungsverhalten interviewt wurden. Das Forschungsdesign setzte sich zusammen aus Monatsfazit, Grundbefragung, Leitfadeninterviews mit Mapping Verfahren zur PLE Erstellung. (PLE = Personal Learning Environment (dt. Persönliche Lernumgebung) , also allgemein zu den Fragen, welche Rolle der Tablet PC  im Gebiet des Lernens und im Gebiet der Medienauswahl für die Studenten spielt. Die Befragten sind in ihrem Bewusstsein hinsichtlich der Trennung / Vermengung von Studium und Freizeit sehr unterschiedlich. Eine bewusste Auseinandersetzung mit der Entgrenzung basiert vor allem auf negativen Belastungserfahrungen. Deswegen werden Strategien gesucht, um abschalten zu

können. Befragte, die diese Belastung nicht empfinden, empfinden die Vermengung positiv, weil es praktisch ist alles an einer Stelle zu haben bzw. Leerlaufzeiten zu nutzen und somit

in Arbeitszeit zu verwandeln um Freizeit zu sparen. Die Forschungsfrage soll nach diesen empirischen Untersuchungen erweitert werden auf Entgrenzung als gesellschaftlicher Prozess im Kontext Lernen, Arbeit, Freizeitverhalten und den Prozess von der  Wissensorientierung zur Kompetenzorientierung berücksichtigen.

Auch wenn damit der offizielle Teil des ersten Tages zu Ende war, an dieser Stelle ein ganz großes Lob an die Veranstalter, die einen schönen Ort nahe am Griebnitzsee , bestes Wetter und auch noch ein musikalisches Live Event organisiert hatten, das weiteren Austausch und nette Kontakte ermöglichte.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bachelor Bildungswissenschaften

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s