Tag 2: Als Student der Bildungswissenschaft auf dem Jungen Forum Medien und Hochschulentwicklung (#JFMH13): Lern- und Bildungsprozesse gestalten und erforschen

UnbenanntPassend zum Beginn meiner Reflektion des Tages zwei auf dem #jfmh13 las ich gerade auf Twitter obiges Zitat von Barack Obama.
Jess Erickson die Gründerin von „Berlin Geekettes“ referierte am Samstag morgen die Keynote zum Thema “The importance of strong communities in the content of informal learning processes.”

Weil, vor allem unser Arbeitsleben nicht mehr nur von eigenen Lern – und Erfahrungsprozessen, sondern vor allem auch vom Austausch mit anderen abhängt, wird eine gute Vernetzung für diese Prozesse immer wichtiger. Jess Erickson stellte bei einem ihrer ersten Berlinbesuche fest, dass Frauen im technologischen Bereich hier deutlich unterrepräsentiert sind, insbesondere in höheren Positionen. Dies veranlasste sie “Berlin Geekettes” ins Leben zu rufen, eine neue gemeinnützige Organisation, die Beziehungen zwischen weiblichen Unternehmern in der Technologie-Branche erleichtern soll. Erickson sagt, das ihr klar wurde, dass weibliche IT-Experten ihre eigene Infrastruktur brauchen, um Wissen und Erfahrung zu teilen. Die Organisation wächst organisch und will somit intensiv auf persönliche Beziehungen aufbauen und das somit gewonnene Vertrauen nutzen. Wir tauschen Erfahrungen aus, entwickeln Strategien und Lösungen für gemeinsame Probleme und unterstützen uns gegenseitig beruflich und persönlich, sagt Jess Erickson. Hierzu werden sowohl offline Treffen genutzt, als auch ein eigens eingerichtetes Blogportal und diverse Social Media Kanäle.

Nach diesem Warmup gingen die Teilnehmer wieder zu den Kurzvorträgen in die Gruppenräume. Da stand für mich als erstes “Peer Tutoring im interkulturellen Lernsetting” von Stefanie Vogler-Lipp, die an der Viadrina in Frankfurt/Oder in einer Forschungsarbeit zwei Themen verbinden will, auf dem Programm. Interkultureller Kompetenzerwerb soll mit Peer Tutoring verknüpft werden. In diesem Kontext entstehen zwei zentrale Fragestellungen: Wie gut lässt sich Peer Tutoring als Lern- und Vermittlungsmethode im interkulturellen Lernsetting einsetzen und wie kann Peer Tutoring zur (Lern-) Unterstützung für international Studierende effektiv genutzt werden. Dabei kann das Tutoring als Peer Learning mit Lernenden auf Augenhöhe untersucht werden, aber auch als Lehr- Lernmethode betrachtet werden.

Diese Effekte sollen an internationalen Studiengruppen untersucht werden. Schwierigkeiten könnten unter anderem dabei auftauchen den interkulturellen Kompetenzerwerb auf Tutorenseite messbar zu machen, vor allem auch zeitnah messbar zu machen. Interkulturelle Tutorengruppen an der Viadrina sind eingerichtet, leiten Studierende an und führen Workshops zu interkulturellen Themen durch. Es zeigte sich in der Diskussion, dass methodisch noch Unsicherheit besteht, ob Interviews die (richtige) einzige Methode zur Datenerhebung sind oder wie die Gestaltung der Abfrage der Lernerfahrungen anders operationalisiert werden kann. Ferner muss die Forschungsfrage eventuell noch stärker eingegrenzt werden, um verwertbare Ergebnisse erzielen zu können.

Im nächsten Projekt stellte Carmen Biel vom Leibnizinstitut für Wissenschaften in Tübingen ihr Projekt zum “Selbstbestimmten Lernen im Klassenzimmer des 21.Jahrhundert” vor. Darin soll ein Konzept zur Lehrerfortbildung bezüglich der Förderung des selbstbestimmten Lernens mit digitalen Medien entwickelt werden. Auf der Grundlage einer  Metaanalyse von Dignath und Büttner aus dem Jahr 2008 (zusammenfassende Analyse von Primäruntersuchungen)mit 74 Studien über selbstreguliertes Lernen im Klassenzimmer , wobei 50% der Untersuchungsklassen von Lehrern und 50% von Forschern unterrichtet wurden, die zeigte, dass die Schüler in den von Forschern geleiteten Klassen signifikant mehr profitiert hatten, soll ein geeignetes Lehrertraining entwickelt werden. Die Schlussfolgerung ein gut gestaltetes Lehrertraining zu organisieren zeigt allerdings nicht, ob der Effekt berücksichtigt werden kann, dass Schüler anders reagieren wenn sie von Personen außerhalb der regulären Lehrerschaft unterrichtet werden und nur daher die Forscher mehr Aufmerksamkeit der Schüler bekamen als deren reguläre Lehrer. Verschiedene Möglichkeiten eines spezifischen  Lehrertrainings sollen im Rahmen der Arbeit untersuchtwerden, um ein hierfür  geeignetes  didaktisches Modell zu entwickeln. Inspiriert vom Design Based Research, indem wissenschaftliche und praktische Maßnahmen verglichen werden, wurden zwei Trainingskonzepte für die Lehrerfortbildung und ein Offenes Lernermodell entwickelt, die sich in der anfänglichen Testphase befinden. Ein Problem könnte sich bei der Auswertung aufgrund der Validität (extern limitiert durch die beschränkte Auswahl der Zusammenarbeit) ergeben, wenn nur freiwillige Lehrer in die Fortbildungsmaßnahme aufgenommen werden können, sinnvoll wäre es in einem späteren Stadium der Forschungsarbeit Schulen zu finden, die  das Modell versuchsweise als Gesamtkonzept einführen. Interessierte Lehrer können sich bei Carmen Biel über eine mögliche Zusammenarbeit informieren.

Im letzten Workshop dieser Einheit stellte Dr. Eva Kleß vom Fachgebiet Pädagogik der TU Kaiserslautern über “Selbstlernphasen im Rahmen des Selbststudiums gestalten” vor. Für mich als Fernstudent wieder ein sehr interessantes Thema, da in meinem Studiumformat die Selbstlernphasen und das Selbststudium einen sehr hohen Anteil ausmachen. Wie sind die Selbstlernphasen, die ja seit der Bologna Reform durch die Vergabe von ECTS Punkten als Leistungspunkte berücksichtigt werden, von den Studenten didaktisch strukturiert. Das Forschungsdesign beinhaltet Literaturrecherchen, Befragungen mit folgender Analyse des IST-Zustandes und der Darstellung bestehender und möglicher Methoden zur Strukturierung des Selbststudiums. Interessant hierzu ist die Zeitstudie von Prof. Rolf Schulmeister, zu der es auch hier einen Film gibt.

Nach der Mittagspause gab es dann eine weitere Session mit 3 Projektvorstellungen . Im folgenden Projekt stellten zwei (leider jetzt schon ehemalige) Mitarbeiter der Fernuniversität in Hagen eine Untersuchung zu Gruppenarbeiten mit Peer-Review Verfahren in der Online Lehre vor. Im Masterstudiengang Bildung und Medien ist der prüfenden Hausarbeit eine Gruppenlernphase mit anschließendem Peer Review Verfahren auf der Moodle Plattform vorgeschaltet. Hierzu erstellten Gruppen mit 5-6 TN im Wiki der Moodleumgebung ein fiktives Seminarkonzept, das anschließend anonymisiert wieder hochgeladen wurde. Nach festgelegten Kriterien beurteilten die Studenten anschließend gutachterlich die Ergebnisse. Die Diskussion über das Projekt ergab, daß die klar kommunizierten Richtlinien extrem wichtig für das Peer-Review Verfahren sind, Vergleiche von Peer- und Dozentenreview ergaben an der Uni Paderborn doch erhebliche Verzerrungen, ohne eine Tendenz dabei verorten zu können. Die Universität Paderborn erzielte in einem weiteren Versuch bessere Ergebnisse, nachdem sie die Feedbackkriterien zusammen mit den Studenten im Vorfeld des Peer Review entwickelte. Weiterhin wurde diskutiert Peer Review Verfahren nicht bei zu geringer Lehrendenbetreuung kompensatorisch einzusetzen. Aber das Peer Review wird im Zuge des selbstgesteuerten und vernetzten Lernens immer wichtiger, auch die Bewertungen in CMoocs funktionieren nach dem Peer Review Verfahren. Interessante Diskussion, der Beitrag von T.Junge und Maria Flück soll veröffentlicht werden, ich werde es weiter verfolgen.

Den anschließenden Beitrag hatte ich aus Vorfreude schon für Freitag angekündigt und damit den Oliver Tacke hoffentlich nicht zu nervös gemacht. Mareike Beuße, Thomas Czerwionka und Oliver Tacke stellten ihr Projekt “Lehrportfolios” an der TU Braunschweig vor. Jedem Lehrenden an der TU Braunschweig wird ein Lehrportfolio auf der Plattform teach4TU im Rahmen eines hochschuldidaktischen Projektes angeboten, ein beispielhaft genutztes ist hier aufrufbar. Dabei besteht zwar die Möglichkeit es geschlossen, teilöffentlich oder öffentlich zu nutzen, allerdings wird es trotzdem nicht von einer großen Mehrheit der Lehrenden an der TU Braunschweig genutzt. Was hält die Lehrenden von einer Nutzung des Lehrportfolios ab.? Darüber wurde angeregt mit den Vortragenden diskutiert . Privatsphäre, Urheberrecht, Angst vor Ideenklau waren die Argumente. Dabei ist das Portal an der TU Braunschweig immer zunächst auf “nicht öffentlich” eingestellt und man muss ganz bewusst etwas auf “öffentlich” schalten, wenn man es freigeben will. Einige TN waren auch der Meinung, das der Sinn eines persönlichen E-Portfolios verloren geht, da es ja ein Ort für persönliche Reflektion sein sollte und nur mal kurzfristig für eine Bewerbung “öffentlich” aus diesem Fundus geschöpft werden kann. Erzeugt eventuell die Möglichkeit “öffentlich” dabei den gesellschaftlichen Druck auf den Einzelnen es auch “öffentlich” zu machen ? Hier besteht noch Erklärungsbedarf. Oliver Tacke bittet auf seinem Blog auch um Feedback zu diesem Thema.

Direkt weiter mit dem Thema E-Portfolios ging es im letzten Beitrag in dieser Runde, allerdings sind im Projekt, daß Alexander H. Knoth als E-Learning Koordinator der Universität Potsdam vorstellte Studenten im Masterstudiengang MEGA (Master of European Governance and Administration) die Zielpersonen. Da das mit der Software Mahara implementierte E-Portfolio zu den Studienleistungen gehört, ist die Freiwilligkeit hier begrenzt. Zumal Mahara neben dem E-Portfolio auch für die Bereitstellung von Informationen und die Diskusssion unter den Studierenden genutzt wird. Trotzdem stieß man bei der Einführung auf einigen Widerstand. Mit speziell geschulten, ausgesucht medienaffinen, Dozenten und viel Mühe bei der Implementation gelang es hier aber einen gewinnbringenden Nutzen des E-Portfolio zu vermitteln. Jetzt wird Mahara dort vom E-Portfolio zu einem Social Academic Network weiterentwickelt.

Mit diesem Beitrag waren die Sessions auf dem JFMH13 beendet. Zur Schlussrunde gab es viel verdienten Applaus für die hervorragende Organisation und für die vielen fleißigen Helfer, die diese sehr gelungene Veranstaltung erst ermöglicht haben. Für die  Organisatoren der JFMH2014 haben die Potsdamer eine hohe Messlatte gelegt. Vielen Dank auch an alle TN mit denen ich netten und oft auch erkenntnisreiche Gespräche führen durfte.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Bachelor Bildungswissenschaften

3 Antworten zu “Tag 2: Als Student der Bildungswissenschaft auf dem Jungen Forum Medien und Hochschulentwicklung (#JFMH13): Lern- und Bildungsprozesse gestalten und erforschen

  1. Nach Hinweisen von Carmen Biel wurde der Beitrag zu ihrem Forschungsprojekt von mir überarbeitet, da sich hier einige Fehler eingeschlichen hatten

  2. Urheberrechte, Ideenklau, Privatspähre sind zwar gute Argumente, aber ich denke man kann immer noch selbst entscheiden was man schreibt, preist gibt, mit Verweisen bestückt. Man verliert ja nicht gleich die Kontrolle, wenn man auf online Portalen zugegen ist.

    • Ja man hat sicher noch die Kontrolle, aber auf die oben beschriebenen E-Portfolios an der TU Braunschweig bezogen stellte sich heraus, das viele wissenschaftliche Mitarbeiter sich (wohl auch aus Unwissenheit bzw. Unsicherheit) gegen eine Nutzung des E-Portfolios entschieden, obwohl die Nutzungsmöglichkeiten sehr benutzerfreundlich ausgestaltet waren und sich jeder Nutzer sehr bewusst für eine Veröffentlichung von Daten entscheiden musste. Die Sensibilisierung für die Möglichkeiten der Nutzung des E-Portfolios und die Aufklärung über die eigene Kontrolle der Daten stellten sich daher durchaus als Hürde dar.

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