Wikimedia Konferenz zu OER #oerde13 Tag 2

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Quelle: Wikimedia Deutschland e.V.
 Tag 2 der OER Konferenz #oerde13 beginnt  mit einer Barcamprunde. Wie schon am Tag zuvor ist der Sessionplan unter der Moderation von Jöran zügig erstellt und erneut zwingen sehr interessante Themen zur Qual der Wahl.
Die 1. Session des Tages für mich war: Matin Lindner mit seinem Angebot zu -Idee Design Thinking-Ansatz: Bedarfsermittlung im Sinne der Anwender, es sollten die Fragen angesprochen werden, wo OER am dringendsten gebraucht wird (3 Beispiele) und wo wir uns am dringendsten gutes OER Material wünschen würden.
Dazu wurde zunächst einmal erörtert wo OER Material aktuell positiv eingesetzt wird. Beispiele wären die Khan Academy, ZUM Wiki, Youtube, Freemium zum Spracherwerb (Basisprodukt kostenfrei, Vollprodukt dagegen kostenpflichtig), ET-Tutorials, um verschiedene Branchen und Nutzer anzusprechen. Die Khan Academy ist so erfolgreich, weil ein großen Bedarf an (kostenfreier) Nachhilfe existiert. Der Erfolg wird als „treibende“ Kraft von den Lernenden gesteuert (bottom-up). Der zweite Erfolgsfaktor der Khan Academy war die Einstellung des Materials auf YouTube, das für schnellen Zugang, schnelle Bekanntmachung, einfache Bedienbarkeit und zusätzlich den Lernenden vom Nachhilfeschüler zum Webnutzer macht, sorgte. Das ZUM-Wiki wird von OER Befürwortern mit Inhalten versorgt (ist von Lehrer zu Lehrer orientiert) und lebt letztendlich nicht von den Inhalten, sondern als eine Community of Practice, dem Austausch der ZUM Wiki Macher. Treiber der Idee sind also a)Lehrer die an einer aktuellen, modernen Fachdidaktik interessiert sind und b) Lehrer die an einem Austausch mit Gleichgesinnten interessiert sind. Wie macht man also  ein Projekt für didaktische OER im Schulkontext erfolgreich ? In jedem Lernprojekt existieren zwei Rollen die Lernenden und die  Lehrenden (Experten für die Inhalte). Im ZUM Wiki sind die Treiber  bzw. die User die Lehrenden, wie dieser aktuelle Artikel aus dem ZUM Wki deutlich macht.. Damit ist das ZUM Wiki eigentlich von Lehrenden für Lehrende und damit ein  Community of Practice-Erlebnis. Bleibt die Frage ob Lehrende überhaupt das Material der anderen benötigen, um es zu übernehmen? Geht es nicht viel eher um Anregung, um „Schau mal hier“?
Es geht eigentlich um eine Spirale: einen Energiekreislauf, den man durch Design (im weiteren Sinn) in Gang setzen muss.
Versuch am Beispiel OER für das Jüdische Museum, um bildungsfernere Menschen zu einem Museumsbesuch zu bewegen. Kann man mit Hilfe von OER-Projekten erreichen, dass eher „bildungsferne“ Jugendliche/Schüler sich für die Inhalte interessieren, für die das Jüdische Museum steht? Das Ziel heißt hier also: User sind Museums-Nichtbesucher: de facto SchülerInnen. Diese User sind aber zunächst nicht die treibende Kraft des OER Projektes. Dann stellt sich die Frage wie  man Energie erzeugen kann, die so einen Prozess entfacht und treibt? Hier wäre ein Designprozess 2. Ordnung nötig, in Form einer  Ansteckung durch enthusiastische Lehrende. Man müsste also Lehrer zunächst als User gewinnen. Wie kann man das Erreichen. Wie erzeugt man hier selbsttragende Energie? Man muss die  Lehrende an der Methode packen, ein Museums OER gezielt in ihre Didaktik einbauen. Das Problem dabei istr das die Lernenden selber noch nicht motiviert sind. Man könnte die geforderte Projektarbeit innerhalb des MSA Abschlusses als Ansatzpunkt nehmen: Also haben wir zunächst eine extrinsische Motivation, denn das Projekt ist Pflicht. Warum sollen User dieses Themenfeld nehmen? Dafür müssen wir ein Unterrichtsprojekt mit  OER so erstellen, und anbieten dass eine Kettenreaktion entsteht. Man könnte eine das Projekt  begleitende Plattform anbieten die Ergebnisse, kontinuierliche Projektbegleitung und Kontaktangebote (Praktika, Multiplikatoren, Vernetzung von Schulen, Bildungsträgern, Museen etc.) zentralisiert. Gut wäre es das Format Video ins Zentrum zu stellen: Besondere Attraktivität hääten Eigeninitiativmöglichkeiten der SchülerInnen wie einen Clip selber machen, mit Text als Annotation dazu.   Also Möglichkeiten geben um  UGC User-generated Content zu erzeugen. Einen Energiekreislauf designen, der mittelbar zur Entstehung von OER-Objekten führt.
 Wiederholung und Reproduktion, Ergänzung, Remix, damit solch ein OER mit Content gefüllt und weiterverwendet wird. Dazu sind ein paar (minimale) Rahmenbedingungen notwendig: „Kits“ für User: iPod Touch + Howto-Videoclip + Checkliste + Helpdesk im Netz, so dass ein schneller Arbeitsbeginn und vor allem schnelle Ergebnisse eigener Arbeit möglich sind.
Der Erfolg eines OER-Projektes hängt entscheidend von der Dynamik zwischen seinen Fachleuten, Lehrenden und Lernenden ab. Diese Spirale ist immer wieder neu „anzufachen“, idealerweise mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, anstatt sich von externen Faktoren zu stark abhängig zu machen. Beachten muss man dabei auch innerhalb des Contents inwieweit man ihn didaktisieren will. Es ist eine ständige Bewegung zwischen Open Knowledge (freiem Wissen) und OER (offenen didaktisiertem Wissen, als freie Bildungsinhalte).
Session 2 des Barcamps am Sonntag informierte über Edutags, einem Tool, dass Lehrern helfen soll frei verfügbare Materialien zu „taggen“. Edutags ist öffentlich finanziert, zur Zeit in der Projektphase und soll aber nachhaltig betrieben werden. Es funktioniert außerhalb des Browsers und beinhaltet Bewertungs- und Kommentierfunktionen.  Hier können Lehrer Unterrichtsmaterialien gemeinsam sammeln und finden. Im #coer13 war dieses Programm bereits vorgestellt worden und ich nutze es seither auch um Materialien rund um OER zu sammeln. Das Taggen nach Begriffen, die entstehen wenn Ressourcen mit Schlagwörtern versehen werden, ergeben inzwischen auch oft eine große Trefferanzahl. Dabei gibt es eine Filterfunktion nach Tags und eine Tag Vorschlagsfunktion (zB. wenn Resoucre schon im System ist und aufgrund zuletzt genutzer Tags). Ebenfalls können gespeicherte Lesezeichen mit Kollegen geteilt werden. Daneben ist ein Social Bookmarking Dienst für Lehrkräfte in Arbeit, der über einSpeicher über Bookmarklet (erklärung bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Bookmarklet ). Schnittstellen sind folgende implementiert : RSS,  PDF, Drucken, Einbetten von Tag-Clouds via HTML. Möglich ist es auch nicht CC lizensierten Inhalt zu „taggen“  aber eine URL muss immer vorhanden sein. Auch Content, der per-se kein Bildungs-Resourcen sind – zB. Bilder von Brücken, Statistiken können getaggt werden, Synonyme Tags werden automatisch erkannt: Suche nach „Mathematik“ findet zB auch „Mathe“, aber auch Zuordnungen helfen den richtigen Inhalt zu finden Content mit dem Tag „Integralrechung“ wird zB. auch „Zuordungen“, „Funktionen“, „Mathematik“ hinzugefügt. Edutags läuft gut an und hat bis zum September 2013  2000 angemeldete Nutzer und ca. 20.000 Ressourcen. In Abgrenzung zu anderen Ressourcen liegt der Fokus von Editags aber eindeutig auf Unterrichtsmaterialien. Bedacht werden sollte von den Nutzern das Edutag nicht als Suchmaschine, sondern eine „Sammel- und Teil-Maschine“ ist. Ab Herbst (2013) beginnt ein Projekt mit Referendaren, eine Nutzung im Hochschulbereich oder in der außerschulischen Bildung ist ebenfalls möglich (wie im #coer13) ja auch schon praktiziert.
Hier endete das Barcamp und die OER Konferenz wurde nach Programm fortgesetzt.  Zwei Beiträge mit Referenten der Fernuniversität in Hagen waren für mich die nächsten Stationen.
Sebastian Vogt und Markus Deimann (die MoocMacher des #ExIF13, dem ersten offenen Mooc der Fernuniversität in Hagen) stellten folgende Frage zur Diskussion: Wie kann man mit dem Thema OER problemorientiert umgehen (beispielhaft an der Fernuniversität in Hagen)?
Die Fernuniversität in Hagen wurde 1974 als  Medienuniversität gegründet. Vom anfänglich eingeführten Studienbrief über Fernsehen zu Internet und Apps für Mobile Learning spielen Medien für die Fernuniversität eine große Rolle. Es gibt keine Studiengebühren an der Fernuniversität. Diese sind mit der derzeitigen rechtlichen Grundlage in NRW auch nicht einführbar. Aber es gibt eine Materialbezugsgebühr von 20€/ SWS (Semesterwochenstunde), die Beratung, Studienbriefe und Betreuung beinhaltet. Die Studienbriefe werden als Ersatz für die an Präsenzuniversitäten gehaltenen Vorlesungen angesehen, ihre Rechte liegen bei der Fernuniversität, die ihre Lehrenden arbeitsrechtlich verpflichtet sie zu schreiben. Andere erstellte Materialien der Lehrenden sind aber frei lizenzierbar. Hier wird deutlich das sich die Fernuniversität zu einem großen Anteil über die Materialbezugsgebühren finanziert und eine Einführung von Studienbriefen als OER Material die Frage aufwirft, wo dieser Finanzierungsanteil anderweitig gedeckt werden kann. OER macht also bezogen auf die Studienbriefe als Hauptlernunterlagen bei den derzeitigen gesetzlichen Grundlagen keinen Sinn. Anmerkung: Oft werden von Studenten die Materialbezugsgebühren ausschließlich auf die Studienbriefe bezogen, aber auch die Beratung und Betreuung der Studierenden muß hier mit einbezogen werden, man kann die Fernuniversität nicht an den Kosten für die Studienbriefe messen, sie leistet rund um jeden Studienbrief wesentlich mehr.
Außerhalb der Studienbriefe wird aber auch an der Fernuniversität mit OER Material gearbeitet. Allerdings befinden sich die OER Aktivitäten der Fernuniversität derzeit noch auf Projektstatus, hier ist kaum eine Änderung zu erwarte, solange die Studienbriefe im Geschäftsmodell der Fernuni verankert sind.
So gab es einen cMooc (konnektivistisch orientierter Mooc) per Hashtag #ExIF13 auf Twitter, per Video auf Youtube verfolgbar, aber ohne feste Plattform, der sich an alle interessierten Lernenden auch außerhalb der Fernuniversität richtete. Es gibt ergänzende Materialien zu den Studienbriefen zum Beispiel zur Grounded Theory, edu-sharing network wird zum Materialtausch genutzt, aber derzeit noch (politisch motiviert) als geschlossenes System.
Zur Diskussion: Weitere OER Potentiale, gibt es Nischen im geschlossenen System für OER.
Möglichkeiten einer Policy für Studierende ihre Arbeitsergebnisse als OER zu lizenzieren. (e-portfolio)
Der politische Prozeß in dem die Fernuniversität verankert ist verlangsamt den Prozess an der Fernuniversität vom Materialverkauf zum Betreuungsangebot.
 F: Ist die Fernuniversität eine Kopie einer Präsenzuniversität und nutzt nicht alle Potentiale?
 A: Die Fernuniversität ist ein eigenes System. Sie existiert seit 1974 und ist schon seit damals auf Massiv ausgerichtet. Der Open Prozess verlangt allerdings politische Veränderungen, denn mit dem derzeit festgelegtem Geschäftsmodell ist es der Fernuniversität nicht möglich ihr Lernmaterial als OER zu lizenzieren, da die Einnahmen über die Studienbriefe einen wichtigen Posten im Haushalt der Fernuniversität ausmachen und anderweitig nicht kompensierbar sind.
MOOCs oder Murks?! Was ist von massenhaften Onlinekursen zu halten? Die Sicht aus Wirtschaft und Wissenschaft in einem Streitgespräch war das Thema des nächsten Beitrages. Vorgestellt von geballter Mooc-Kompetenz in Form von Claudia Bremer, Markus Deimann und Hannes Klöpper
 Claudia Bremer stellte nach Abfrage fest, dass einige Mooc Neulinge anwesend waren und erklärte kurz die Begrifflichkeiten rund um cMoocs und xMoocs . Moocs entstanden in Kanada als connectivistische Lernveranstaltungen in experimenteller Form (G.Siemens und S. Downes), als komplett offene Veranstaltungen. Parallel entstanden amerikanische xMoocs (u.a. Sebastian Truhn) xMoocs (x für external= ausserhalb der Universität. In cMoocs können auch die Tools von den TN individuell gewählt werden. Das macht es manchmal unübersichtlich. In diesen cMoocs werden oft keine Zertifikate angeboten, ganz im Sinne des offenen Lernens. Dagegen existieren in  xMoocs teilweise enge Zeitvorgaben, wenn man ein Zertifikat erwerben will. Die Plattform beinhaltet auch den festen Inhalt und die Tools bei diesen xMoocs. Für Hannes Klöpper bietet sich die Chance in Europa, innerhalb des Bologna Modells ECTS Punkte durch Moocs zu erwerben. xMoocs können dazu beitragen Lehre zu skalieren, also Bildungsinhalte weit zu verbreiten. Claudia Bremer wirft die Frage auf wie man die Medienkompetenz der Teilnehmer  sicherstellt, damit sie dort vernünftig arbeiten können, bzw. wer hat die Kompetenz an einem Mooc teilzunehmen.
Derzeit läuft ein Riesen Hype rund um den Mooc Begriff. 2013 ist Google in den Mooc Markt eingestiegen. Aber die Betreibung von Moocs ist sehr arbeitsaufwendig. Wie lange können sie noch open sein, die amerikanischen Moocbetreiber sind mit hohem Venture Kapital ausgestattet worden, das in absehbarer Zeit Früchte tragen soll. . Kann man (didaktisch) gute Moocs längerfristig kostenfrei anbieten?
Frage an H. Klöpper von iversity,  wie sich die Finanzierung von Moocs langfristig entwickeln wird. Das Unternehmen iversity war ursprünglich als Plattform für offenen Austausch zwischen Uni´s gedacht. Jetzt werden von iversity versuchsweise Moocs (xMoocs) mit Finanzhilfe angeschoben und evaluiert. Alternativen der kostenpflichtigen Betreuung und Zertifizierung werden ausgelotet.
Beschränkung durch mangelnde Medienkompetenz?  Der Mooc bietet aber die Chance Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammenarbeiten zu lassen. Moocs sind noch jung und vieles ist noch in der Entwicklung, viele mögliche Themenbereich sind noch nicht entdeckt. Anspruch von ivesity: Umgang und Teilnahme im Mooc so einfach wie ein Buch zu lesen. Die These Moocs lösen Universitäten ab wird von H.Klöpper verneint, er sieht Moocs eher als Ergänzung zu den Universitäten. Problem der Moocs in Deutschland ist die fehlende Anerkennung.  Aber die Universitäten werden sich mit Moocs auseinandersetzen müssen. H.Klöpper sagt ECTS Punkte für Moocs werden noch 2014 kommen. Universitäten müsssen sich mit der Nutzung der Technologie des 21.Jahrhunderts auseinandersetzen. Markus Deimann hat seine  Thesen zum Streitgespräch nach dem #OERde13  hier nochmals verschriftlicht: http://markusmind.wordpress.com/2013/09/17/moocs-oder-murks-thesen-zum-streitgesprach-oerde13
OER and the social imperative for educational Transformation: What are the priorities?
Den abschließenden Beitrag (closing keynote) der #OERde13 Konferenz spricht der südafrikanische Bildungsberater Neil Butcher. Mit großem Enthusiasmus verlangt er ein Umdenken in der Bildungspolitik. Die derzeit existierenden Bildungssysteme hält er für völlig veraltet. Die Bildungssysteme seien das einzige was sich in der Zeit großen Wandelns und massiver technischer Veränderungen nicht verändert haben. Wie soll Schule uns auf ein Leben danach vorbereiten, wenn sie wie vor 100 Jahren unterrichtet. OER bietet für Butcher eine große Chance die längst überfällige Bildungsreform umzusetzen. Ich saß ein bisschen verwundert im Saal und hatte das Gefühl, vieles von Neil Butcher kam mir sehr bekannt vor, ich hatte es sozusagen bildhaft vor Augen. Markus Deimann zeigte mir dann auch per Twitter warum: Ein Vortrag von Ken Robinson ist von RSA Animate visualisiert worden und zeigt viele Thesen die auch Neil Butcher vertritt in einer tollen Animationscomic. gibt es http://www.thersa.org/events/video/archive/sir-ken-robinson , der Vortrag von Neil Butcher auf der OERde13 ist hier zu sehen, vergleicht selbst.
Bleibt nur mich bei den Veranstaltern und den vielen Teilnehmern, mit denen ich gute Gespräche führen konnte zu bedanken. In der Hoffnung auf eine Neuauflage OERde2014, mit bis dahin sehr viel weiteren OER Produkten. Denn das Motto bleibt OER: Machen, Machen, Machen !
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