Monatsarchiv: November 2013

Ist Lernen anstrengend?

Lernen Mindmap

Durch diesen Blogbeitrag von Theo Byland über Bilder zukünftigen Lernens bin ich auf die Idee gekommen mal über den Begriff “Anstrengung” im Lernprozess zu recherchieren und ein wenig nachzudenken. Die vielen neuen Lerntools, OER-Materialien, einfach zu bedienende Software oder gar Lern-Apps lassen “Lernen”  immer öfter als einfach und ohne Anstrengung realisierbar erscheinen. Ist da was dran, ist Lernen ohne Anstrengung möglich, quasi im Vorbeigehen, wenn man nur das richtige Tool oder die richtige Methode hat. Neu ist diese Vorstellung jedoch nicht. Schon Johann Amos Comenius (1592 – 1670) versprach in seiner “Großen Didaktik” 1628 allen alles vollständig zu lehren und zwar rasch, angenehm und gründlich. Wo stehen wir eigentlich seit Comenius. Zunächst stieß ich auf diesen Artikel aus der Faz vom 14.09.2008, der verspricht das wenige Minuten pro Tag ausreichen um in einem Fach “Neues” zu Lernen. Allerdings bezieht sich das “Lernen” in dem Artikel eher auf das “Auswendiglernen” und “Das Wiederholen” von Lernstoff. Das läuft alles auf die Konditionierung nach der behavioristischen Lerntheorie hinaus, die inzwischen als überholt gilt, da sie nicht alle Aspekte des Lernens erfassen kann und nicht berücksichtigt, das sich der Lernende aktiv mit seiner Umgebung auseinandersetzt. Dazu kommen noch ein paar sehr fragwürdige Hinweise, die Computerspielen als hinderlich für das Lernen bezeichnen und eine Stunde vor und nach dem Lernen dringend vom Gebrauch abraten. Über 20 Minuten täglich am PC Spielen würde sogar Gehirnzellen vernichten. Da der Artikel von 2008 ist müsste eine “hirnlose Nerdgeneration” unter uns inzwischen ziemliches Chaos verbreiten. Weniger Anstrengung verspricht auch 2011 die Zeitschrift Focus Schule, wenn man die richtigen 55 Lerntipps berücksichtigt. Wie das Erlernen des Fahrradfahrens soll es funktionieren und nach  ein bisschen Anstrengung (huch, aber nur noch ein bisschen) beim Lernen der richtigen Lerntechniken kommt man dann schneller und leichter voran. Richtig Lernen ist hier die Devise, wer falsch lernt ist selber Schuld schreibt der Focus. Einschränkend wird dann aber doch beschrieben, dass es ganz ohne Mühe nicht geht, die richtigen Lerntechniken sollen es nur leichter, effektiver und mit mehr Freude ermöglichen. So versprechen auch die 55 Tipps vom Focus kein anstrengungsfreies Lernen, sondern nur gute Werkzeuge. Ich muss dabei immer wieder an einen Marathonläufer denken der glücklich und strahlend über die Ziellinie läuft. Er ist bis dahin 42 km gelaufen und hat sicher viel Anstrengung gebraucht und so manchen “inneren Schweinehund” überwinden müssen und das sicher nicht nur im Lauf, sondern auch in der langen Vorbereitungszeit darauf. Dabei sind trotz Laufens bestimmt auch immer wieder Glücksmomente oder Augenblicke der Freude dabei gewesen. So verbindet Stefanie Werner auf ihrem Blog “lecturio” auch in Bezug auf das Lernen die Begriffe Freude und Anstrengung und postuliert: Der Tag vergeht schneller mit Freude “und” Anstrengung. Der Psychologe Lothar Linz bezieht in seiner Analyse nach Stefanie Werner ausdrücklich körperliche und geistige Anstrengung ein, was meinen Vergleich mit dem Marathonläufer gar nicht so abwegig macht. Also ist Anstrengung notwendig um Glück oder Freude zu empfinden?  Diese Annahme führt uns weg vom Lernbegriff, hin zur Motivationspsychologie. Stellt sich die Frage ob das so falsch ist.  Also versuchen wir zunächst zu klären was “Lernen” ist. Eine Definition wäre hilfreich. Schüler der Realschule Kropp (SH) fragten Ulrich Kunt (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie) hier:

“Wie funktioniert Lernen?”  Sie erhielten eine lange Antwort mit 7 Definitionen, die zusammengefasst von Ulrich Kuhnt wie folgt beschrieben werden: “…so ist Lernen ein offener Prozess, bei dem  ein bestimmter Eingang (Information) den Ausgang eines Systems (black box) mehr oder weniger dauerhaft verändert. Dass heißt, in dem System müssen Veränderungen von außen initiiert, und dann dauerhaft abgespeichert werden und abrufbar sein, um den Ausgang des Systems zu verändern.”

(Quelle: http://www.mpibpc.mpg.de/150701/Wie_funktioniert_Lernen?seite=1)

Dabei soll beim Menschen die “Black Box” das zentrale Nervensystem darstellen. Wissenschaftler nehmen derzeit an das sich die Kontaktstellen der Nervenzellen, also die als “Synapsen” bezeichneten Verbindungen der Nervenzellen verändern.  Sie müssen aber zugeben das der “Prozess Lernen” noch weitgehend unverstanden ist. Kurzum: Wir wissen noch nicht genau wie “Lernen” als innerer Prozess funktioniert. Ob der innere Prozess also mit oder ohne Anstrengung zu bewältigen ist können wir auch noch nicht mit “Gewissheit” sagen. Wir wissen aber bereits “das” Lernen funktioniert und es wurde viel dazu geforscht wie es am besten oder auch nur besser funktioniert. Was wir auch wissen, Lernen erfordert einen Input (Lernstoff) und um Veränderungen im Output zu erreichen, müssen wir uns mit dem Input aueinandersetzen. Die aktive und intensive Auseinandersetzung mit dem Lernstoff kann Anstrengung bedeuten, kann dabei aber auch sehr interessant sein und somit Freude bereiten.

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Kreislauf der Bildung (Was passiert nach dem Ausstieg von Udacity aus den xMoocs

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Warum OER auch für Deutschland wichtig sind.

OER

Warum OER in Deutschland bisher (noch) nicht institutionell gefördert wird.

OER (Open Educational Ressources dt. Offene Bildungsmaterialien) haben in Deutschland noch keine Lobby. Während es im englischen Sprachraum seit der Offensive des MIT im Jahre  2001 mit Gründung der OpenCourseWare-Initiative, bei der zum ersten mal eine Universität den freien Zugriff auf den Großteil  ihrer Lehr- Lernressourcen gewährte, verstecken sich deutsche Hochschulen hinter dem Urheberrecht und Verwertungsrechten und halten ihre Wissensbestände unter Verschluss. Hier stellt sich die Frage ob wir in Deutschland damit den Anschluss an neuartige Bildungsformen verpassen könnten. Der Begriff OER wird seit 2002 in der Unesco diskutiert, das sind mittlerweile 11 Jahre, in denen in Deutschland die OER Bewegung ein Schattendasein jenseits der Unterstützung öffentlicher Institutionen führt. In Österreich sind mit der TU Graz und der Universität Klagenfurt, die dem Beispiel des MIT folgte und mit OpenCourseWare Klagenfurt ein frei zugängliches Archiv für Lehrmaterialien, die in der Form von Kursen (Lehrveranstaltungen) organisiert sind, zur Verfügung stellt. Die TU Graz verfolgt eine Open Content Strategie und bietet mit den bereitgestellten offenen Bildungsmaterialien einen unterstützenden Zugang zum kollaborativen Lehren und Lernen. Dabei setzt sie konsequent auf die Creative Commons Lizenzierung die eine detailliertere Wahrung der geistigen Eigentumsrechte erlaubt und trotzdem kollaboratives Arbeiten und Lernen ermöglicht.

Die Halbwertszeit des Wissens macht OER so wichtig und so interessant?

Wenn Lehr- Lernmaterialien nach den eigenen Bedürfnissen aus unterschiedlichen Quellen ausgewählt, benutzt, kombiniert und weiterverwertet werden dürfen, steigert das die Motivation vieler Lehrender und Lernende. Insbesondere das beim Lernen erstellte Material zu teilen und somit die Möglichkeit auf ein breites Feedback seiner eigenen Materialien zu bekommen wird für die Lernenden der Zukunft immer wichtiger. Das heutige Wissen vermehrt sich mit immer höheren Geschwindigkeiten und unveränderbares Lehrmaterial veraltet zusehends schneller. Das ist nach meiner Meinung auch der Knackpunkt warum sich auch Deutschland mit OER umfassend und institutionell gefördert mit Offenen Bildungsinhalten beschäftigen muss. Lebenslanges Lernen bedeutet sein Wissen ständig zu erweitern und anzupassen. Das geht nicht mit veraltetem Lehrmaterial, das nicht verändert werden darf. Wer sich also nicht mit OER beschäftigt wird in der Zukunft wohl auch nicht auf dem aktuellen Wissensstand sein, sondern (urheberrechtlich geschütztes) veraltetes Wissen mit sich herumschleppen. Andersrum formuliert, es macht kein Sinn Wissen unter Verschluss zu halten, wenn es ohne Anpassung in immer kürzeren Abständen wertlos wird.

Sind das nur alles nur angstmachende Metaphern ?

Dem Autor hier ist durchaus bewusst, das der Begriff Halbwertszeit in Bezug auf Wissen sehr ambivalent betrachtet werden kann und es mehr Metapher als Analogie zur Halbwertszeit radioaktiver Stoffe ist. Christian Wolff hat sich hier kritisch mit Metaphern und Analogien der Wissensgesellschaft auseinandergesetzt. Aber selbst Wolff kommt in seinem Fazit zu folgendem Schluss: In einem produktiven Sinne könnte man die Ansätze kollektiver Wissenserarbeitung durch moderne Wissensmanagementansätze als einen Schritt in diese Richtung betrachten. Der Erfolg der Online-Enzyklopädie Wikipedia lässt sich ebenfalls in diesem Sinn interpretieren. (aus: Christian Wolff “Die Halbwertszeit der Wissenszwerge  Anmerkungen zu einigen »Mythen der Wissensgesellschaft” abgerufen am 18.11.2013 http://epub.uni-regensburg.de/6814/1/080208_Wolff_Beitrag_Ignoranz.pdf ). Und Wikipedia ist ein klassisches Beispiel, wenn nicht gar das Beispiel für die Wichtigkeit von OER.

Fazit: OER Machen gilt für jeden Einzelnen  und gerade auch für institutionelle Bereiche

OER gehört gerade in Deutschland und im deutschsprachigen Raum von institutioneller Seite dringend unterstützt und ausgebaut, um auch in der Zukunft technologisch und wissenschaftlich konkurrenzfähig zu bleiben. Denn für Wissen gilt, es wird besser wenn es geteilt wird. Wer sich stärker mit OER auseinandersetzen möchte findet auf den Seiten des #COER13, einem offenen Onlinekurs zu offenen Bildungsmaterialien eine sehr vielfältige Ausgangsseite.

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Blick durch die rosarote Brille auf das #ecb13

rosa Brille

Auf vielen Kanälen lese ich im Nachgang einige doch sehr, sagen wir,  intensive Kritik am Educamp #ecb13 in Berlin. Diese Kritik habe ich so für mich nicht mitgenommen und konnte selber einen großen Mehrwert aus der Veranstaltung ziehen. Dieser Artikel soll eine Auseinandersetzung mit den doch sehr unterschiedlichen Wahrnehmungen der Teilnehmer durch meine “rosarote” Brille werden. Zunächst einmal war der Besuch des #ecb13 mein erster Besuch eines Educamps und somit fehlen mir die Vergleiche mit vorangegangenen Veranstaltungen. Trotz Neuling (oder wie ich dann auf dem Educamp gelernt habe, gerade als Neuling), bin ich mit dem Vorhaben eine eigene Session anzubieten auf das Educamp  gegangen. Da ich in naher Zukunft einen cMooc zur Unterrichtsmethode LdL plane und diesen zwar nicht alleine aber privat organisieren möchte, hatte ich auf eine konstruktive Diskussion mit Teilnehmern gehofft. Es klappte, ich konnte meine Session schon am Samstag positionieren und habe nach einer sehr kurzen Einführung in mein Projekt eine sehr engagierte und für mich sehr fruchtbare Diskussion mit den anwesenden Teilnehmern auf meiner Session gehabt. Ich bekam konstruktive Kritik, neue Ideen und mein Vorhaben wird schon ein wenig runder und sehr viel konkreter. Schon dieses stellte einen sehr großen Mehrwert für mich dar. Zusätzlich gibt es noch einen Punkt der mir die Brille auf das Educamp dann dunkelrosa einfärbt. Als Student der Fernuniversität in Hagen freue ich mich darauf meine online-Kontakte, egal ob Kommilitonen oder Social Media Bekannte aus dem Bildungsbereich einmal offline zu treffen und mit ihnen von Angesicht zu Angesicht zu diskutieren. Also ein weiterer hoher Mehrwert für mich auf dieser Veranstaltung. Als Glückspilz habe ich dann wohl auch noch in der Wahl meiner Sessionbesuche richtig gelegen, denn auf allen Sessions wurde intensiv diskutiert und Kritik auch als konstruktive Kritik verstanden.

So und nun mal kurz die rosa Brille abgesetzt: Es gab wohl leider einige Sessions, auf denen dies so nicht der Fall war. Das ist dann wirklich schade, denn eine kritisch konstruktive Kritik macht für mich eigentlich den Sinn eines solchen Barcampformates aus, aber ich musste es ja nicht erleben. Was ich am Freitag Abend erleben durfte war eine politische Disskussionsrunde die sich trotz kritisch fragendendem Moderator im Kreis herumdrehte und über die Forderung „Tablets für alle nicht hinauskam“. Für mich war aber eigentlich relativ schnell klar, das die Abschlussdiskussionen, auch die vorangegangene pädagogische Diskussion (der man aber doch besser folgen konnte, auch wenn man die Unterrichtseinheiten auf dem LearningLab nicht besucht hatte) ein Abschluss des tagsüber gelaufenen Learninglabs waren und keineswegs ein Warmup eines Educamps. War Ok für mich, als Neuling, habe dann mit @biwifuhagen einen Kommilitonen getroffen und das Warmup privat gestartet. Hier gehe ich also mit der Kritik von @herrnlarbig konform, der sich in seinem hörenswerten Audiobeitrag kritisch (und wie ich finde konstruktiv und für die Zukunft der Educamps sehr bedenkenswert) zum #ecb13 auseinandergesetzt hat). Der Samstag lief dann für mich wie oben beschrieben rosarot ab. Kommen wir zur samstäglichen Abendveranstaltung und der aufgekommenen Kritik daran. Zunächst für mich einmal wieder persönlich nicht greifbar, denn ich hatte in der Buchkantine nette Gesprächspartner und interessante Themen. Aber die Veranstalter tappen hier in die “Berlin – Falle”. Abendveranstaltungen nach Konferenzen egal welcher Thematik (ich habe über 15 Jahre Veranstaltungen in Berlin beruflich geplant und durchgeführt) haben  in Berlin eine ausgeprägte Form des Teilnehmerschwundes. Auch wenn dieses Phänomen in anderen Orten durchaus ebenfalls beobachtet wird, zeigt es sich in Berlin sehr ausgeprägt. Also war es ein logischer Schluss das Teilnehmerfeld von vornherein zu begrenzen. Mit der Buchkantine war ein thematisch sehr passender Ort gewählt worden und das Essen war wenig, soll aber sehr gut gewesen sein (ich war wohl zu lange in ein intensives Gespräch vertieft und es blieb nur noch ein Salamibaguette, aber absolut Schuld eigene), Getränke wurden von der Bedienung freundlich und professionell serviert. Also hier kann ich dem Orgateam bei der Wahl und auch der Entscheidung, die nur noch begrenzt mögliche Teilnehmerzahl (aufgrund der anderen Veranstaltung) in Kauf zu nehmen sehr gut verstehen. Frühstück, Getränke, Snacks und Kuchen standen allen Teilnehmern tagsüber ausreichend zur Verfügung, auch wenn man das einfach gehaltene Nudelgericht in der Schulkantine nicht essen wollte. Wer mehr will muss dann nach meiner Meinung auch bereit dazu sein dafür zu zahlen. Für den Charakter der Veranstaltung ging das Catering nach meiner Meinung mehr als in Ordnung und zwar an beiden Tagen. Der Sonntag hatte dann jedoch eine, im Nachhinein doch sehr ärgerliche Panne, denn offenbar ist die zeitliche Vorverlegung des Sessionplanung um eine halbe Stunde nicht bei allen TN angekommen. Hier hätten die Veranstalter eingreifen müssen, als klar war, das längst noch nicht alle TN anwesend sind und die Sessionplanung wenigstens um diese halbe Stunde nach hinten legen können. Dies hätte sicher den Sonntag an Sessions deutlich belebt. Aber einige TN oder sagen wir mal Anmeldefreudige sollten sich hier mal überlegen, ob es den einen Klick auf dem mixxt.de-Portal nicht Wert ist, wenn man sich entschließt an einem Tag nicht, oder nicht mehr zu kommen. Dann wäre eher klar ob noch TN unterwegs sind oder nicht. Die geringe An- respektive Abmeldedisziplin macht es den Veranstaltern (völlig unnötig) schwer spontan zu reagieren. Ein weiterer Kritikpunkt am Ablauf der Sessions waren die teilweise nahtlosen Übergänge der Sessions, hier sollte für zukünftige Camps unbedingt eine klar kommunizierte und auch zeitlich realistische Pause zwischen den Sessions geplant und auch eingehalten werden (macht sich am besten durch einen zuständigen Helfer in jedem Sessionraum, der auf das Ende der Session achtet und hinweist (so ist es auf dem Barcampformat der OER Konferenz von Wikimedia sehr erfolgreich praktiziert worden). Fazit hier: Man braucht definitiv mehr Helfer und klare Strukturen für die Helfer. Die Kritik  an der Mittagspause innerhalb der Sessionrunde am Sonntag kommt noch hinzu, das gibt einen regelrechten Bruch im Ablauf, viel Unruhe und keinen Gewinn. Meine persönliche Meinung ist hierbei ohnehin, das auf Konferenzen deutliche Pausen gerade zwischen den Sessions einen höheren Mehrwert bringen, als ein oder zwei Sessionrunden mehr. Die Möglichkeit in kleiner Runde bei Kaffee etc. direkt nach einer Session Themen zu vertiefen befreit die Sessions von für alle Beteiligten unnützen Diskussionen und gibt trotzdem Raum für intensiven Austausch einzelner.

Meine große Verwunderung war aber die Kritik auf einem Social Media Kanal an Sponsoren, die sich für das Educamp #ecb13 engagiert hatten. Ich halte Kritik und eine kritische Auswahl für absolut legitim, aber diese Form und diesen Zeitpunkt für extrem kontraproduktiv. Für mich hat es auch nichts mit Transparenz zu tun, wenn man Social Media Kanäle wählt um Sponsoren die sich bereits engagiert haben derart zu kritisieren. Eine öffentliche Mitgliederversammlung war auf dem Educamp auch vom Orgateam rechtzeitig kommuniziert worden, hier hätte man Regeln für die zukünftige Sponsorenauswahl treffen können und auch Kritik anbringen können. Durch die öffentliche Kritik verprellt man aber massiv auch “genehme” Sponsoren und Spendern in der Zukunft. Kein Sponsor oder Spender setzt sich durch ein Engagement  der Gefahr öffentlicher Kritik aus, wenn er davon weiß. Wir haben den Anspruch Jugendlichen den verantwortungsvollen Umgang mit Social Media Produkten näher zu bringen und schreiben dann kritische Beiträge, als wenn wir zukünftigen Sponsoren unterstellen, sie können weder die Google Suche noch die Twittersuche bedienen. Aus eigener Erfahrung (langjähriger ehrenamtlicher Fussballjugendtrainer) weiß ich wie schwer es ist (schon ohne enge Kriterien) Sponsoren zu gewinnen, ein solches Verhalten macht es dann aber faktisch unmöglich fündig zu werden. Also hier meine Bitte dieses Thema mit etwas mehr Fingerspitzengefühl anzugehen und lieber im Vorfeld oder im Nachgang Regeln zu erstellen und das in nichtöffentlichem Rahmen (in der Diskussionsrunde aufgestellte Regeln können dann auch öffentlich und transparent nach außen kommuniziert werden). Etwas anders verhält es sich nach meiner Meinung mit Werbung innerhalb von Sessions, wenn die Session von einer Diskussion in eine reine Werbeveranstaltung übergeht, aber hier gibt es bereits eine Regel (den Raum verlassen), die ein deutliches Zeichen setzen kann, Social Media Kanäle sollten aber auch dann nur innerhalb der Netiquette zur Kritik genutzt werden.

Bei aller Kritik an Werbemaßnahmen und Sponsoring sollten Educamper aber auch eine große Chance nicht verkennen. Wenn sich jemand für die Teilnahme oder auch die finanzielle Unterstützung entscheidet, identifiziert er sich mit den Werten des Educamps, oder wird zumindest mit diesen Werten in Verbindung gebracht (dabei ist mir schon bewußt, dass diese Vorstellung auch in umgekehrte Richtung missbraucht werden kann). Aber auf jeden Fall haben wir dann die Möglichkeiten ihn von unseren Wertmaßstäben zu überzeugen. Dieses sollten wir im aktiven und dabei positiven Sinne nutzen.

So nun blieb doch nicht alles rosarot, aber viele Kritikpunkte sind bei mir erst in der Reflexion entstanden und sie überschatten meinen persönlichen Mehrwert des Educamcbesuches nicht. Ich bin also mit einem sehr guten Gefühl vom Educamp am Sonntag wieder nach Hause und freue mich auf den Besuch weiterer Educamps. Da wir viel über Bildung 2.0 diskutiert haben und konstruktive Ansätze vielfach erkennbar waren, sehe ich Educamp 2.0 freudig entgegen und hoffe meine Kritik wird positiv und konstruktiv aufgenommen.

Mein Dank gilt den Veranstaltern die sehr viel Engagement in die Veranstaltung gesteckt haben, an die Heinrich von Stephan Oberschule, die unkompliziert die Räume zur Verfügung gestellt hatte, sowie an alle Teilnehmer die mit mir freundlich und konstruktiv diskutiert habe. Ich nenne hier keine Namen, einfach aus Angst einzelne dabei zu vergessen.

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