Eine Antwort auf „Bildungsthesen mit Sinnmacht“

Unter dem Motto “Bildung für die Zukunft” wurden in diesem Blog von Prof. Ronald Deckert und Dörte Giebel folgende 3 Thesen aufgestellt und um Diskussion gebeten.

These 1: Bildung begleitet die Digitalisierung unserer Gesellschaft durch Kompetenzentwicklung zur Mediennutzung, und zwar so früh wie möglich.

These 2: Bildung fördert selbstgesteuertes Lernen von vernetzten Menschen in einer digitalisierten Wissens- und Kompetenzgesellschaft.

These 3: Bildung braucht Kompetenzinitiativen in persönlichen (Lern-)Netzwerken, um in einer Zeit des Umbruchs Impulse zu setzen und Orientierung zu geben.

Hier nun meine Antwort auf diese Anfrage in Twitter: wissenwassinnmacht

Ich sehe These 3 als Aufforderung Lernen auf die “Bildung der Zukunft zu lenken. These 1 wäre dann ein erster Erfolg und die These 3 eine Art Zielformulierung.

Wissen macht Sinn

Nach meiner Meinung befinden wir uns derzeit in einer, wenn auch mit reichlich Störfeuer versehenen, Phase der Umsetzung von These 3. Es gibt zahlreiche oft kleine Ansätze Bildung auf ein “selbstgesteuertes” Lernen zu führen. Dabei hat schon W. v. Humboldt Bildung (als wahren Zweck des Menschen) prozessural gesehen und daran schließt ein, für mich, zentraler Begriff des heutigen Bildungsverständnisses an, der Begriff des “Lebenslangen Lernens”. Auch dieser Begriff unterstreicht den Prozesscharakter des Lernens und zwar über die gesamte Lebensspanne hinweg. Dieser Prozesscharakter vereinigt mit der Gewissheit, dass die Halbwertszeit des Wissens immer mehr abnimmt, führt zu einer neuen Art des “Lernens” und der “Bildung”. Der große Unterschied zu W.V Humboldts Bildungsverständnisses ist, das Humboldt das Wissen oder das Gelernte vom individualen Menschen her betrachtet, während es in einer “Bildung der Zukunft” gesellschaftlich gedacht werden muss. Wissen und Gelerntes läßt sich nicht mehr in einen Karton packen, es ist nichts “Abgeschlossenes”. Man muss sein Wissen so speichern, dass es anschlussfähig ist. Es muss ein Netzwerk mit offenen Knoten für neue Verknüpfungen gebildet werden. Hierfür bietet das “Digitale Zeitalter” hervorragende Voraussetzungen. Es gilt diese für die Gesellschaft fruchtbar zu gestalten. Erste gute Ansätze sind vorhanden. Die digitalen Medien wachsen aus dem Rückfall des behaviouristischen Lernens heraus und ermöglichen ein kollaboratives und selbstbestimmtes Lernen. Die Lernmethode “Lernen durch Lehren (LdL) kann mit Unterstützung digitaler Medien den Lernenden vielfältige Kompetenzen erschließen, die notwendig sind um sein Wissen heutzutage “lernend” zu erweitern, indem Informationen bewertet werden und in das eigene Wissensnetzwerk eingefügt werden. Das “Bewerten”, das “Auseinandersetzen” und das “Verknüfen” von Informationen sind Kernpunkte des “Lernens” in einer “Bildung der Zukunft”. Wie ich an Informationen komme rückt im Zeitalter der Digitalisierung zunehmend in den Hintergrund zugunsten einer “Bewertung” von Informationen. Projekte wie das Schulbuch-O-Mat, das als digitales Schulbuch kooperativ produziert wurde und unter einer CC- Lizenz herausgegeben wurde, ermöglichen modernes kollaboratives Lernen und das Teilen und Weiterentwickeln von Wissen. Textverarbeitungsprogramme wie Etherpad oder GoogleDocs schaffen Raum zum kollaborativen Lernen und Vernetzen von “Bildungsgemeinschaften. CMoocs (konnektivistisch orientierte offene Onlinekurse) ermöglichen Wissen zu teilen und Wissen zu “schaffen” für weltweit verstreute Teilnehmer, wenn sie sprachliche Hürden überwinden können. Hier wäre eine These 4 “Bildung der Zukunft” überwindet sprachliche Hürden mit Hilfe der Digitalisierung. Vielleicht aber auch nur ein Traum eines Humboldtianers, denn auch Wilhelm v. Humboldt hat sich im Alter sehr mit Sprachen auseinandergesetzt. Ich glaube er hat ohne Digitalisierung schon erkannt, dass die Überwindung sprachlicher Hindernisse ein bedeutendes Potential für eine gesellschaftliche Veränderung und eine gerechtere Welt hat.

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Bachelor Bildungswissenschaften

4 Antworten zu “Eine Antwort auf „Bildungsthesen mit Sinnmacht“

  1. Ich sehe folgenden ablauf:
    1. Man bildet eine community.
    2. Man befasst sich mit der natur, insbesondere mit der natur des menschen und erarbeitet ein konsensfähiges, operationalisierbares „menschenkonstrukt“. Das ziel ist es, glücksfaktoren zu identifizieren.
    3. Man entwirft die vision einer welt, die ein optimum an glückschancen für die größtmögliche zahl von menschen eröffnet.
    4. Man konzentriert sich auf die nächsten 20 jahre und auf ein klar definiertes handlungsfeld. Ziel ist es, glückgenerierende strukturen zu schaffen.
    5. Man identifiziert die probleme, die sich auf diesem weg ergeben.
    6. Man stellt projektziele auf und definiert konkrete handlungsräume.
    7. Beim problemlösehandeln wird permanent konzeptualisiert und stets auf die zukunft hin geplant. Es wird auf verschiedenen plattformen (twitter, face-book, google, blogs) permanent kommuniziert (neuronverhalten).
    8. Als beispiel wären die diversen kommunalpolitischen facebook-gruppen zu nennen.
    a) https://www.facebook.com/groups/146806512064362/
    b) https://www.facebook.com/groups/163504970482100/
    c) https://www.facebook.com/groups/135124953309735/

  2. Ich dachte, wir sollen hier oder irgendwo mitdiskutieren… Wird das hier fortgesetzt oder ist es schon tot?

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