Blended Learning – ein kleiner Nachtrag zum #edchatDE vom 29.07.14 auf Twitter

Blended Learning

Am 29.07.14  gab es einen sehr interessanten #edchate auf Twitter zum Thema “Blended Learning”. EdchatDe ist eine deutsche Weiterbildungsveranstaltung auf Twitter, die immer Dienstags von 20.00 – 21.00 Uhr sehr interessante und topaktuelle Themen aus dem Bildungssektor diskutiert. Mehr dazu hier: http://edchatde.wordpress.com/

Auf der Seite e-teaching.org wird “Blended Learning” wie folgt definiert: “(Auch: hybrides Lernen); ein Lehr-/Lernkonzept, das eine didaktisch sinnvolle Verknüpfung von Präsenzveranstaltungen und virtuellem Lernen auf der Basis neuer Informations- und Kommunikationsmedien vorsieht.

Siehe auch: Vertiefung Blended Learning sowie der Artikel „Blended Concepts“, der die gegenseitige Anreicherung, Ergänzung und Erweiterung von Präsenz- und Onlineangeboten im Rahmen von qualifizierenden Supportmaßnahmen für Hochschulangehörige beschreibt.”

Aus der Definition wird deutlich “Blended Learning” ist ein sehr allgemeiner Begriff für das Lernen in online und Präsenzphasen. Diese Phasen sollen didaktisch sinnvoll miteinander verknüpft sein. Das ist der eigentliche Kernpunkt von “Blended Learning, die didaktisch sinnvolle Verknüpfung von online und f2f (face to face) Lernphasen. Einfach irgendwo in einem LMS oder in einem anderen online Bereich Material zum Selbstlernen bereitstellen, ist ohne die Verknüpfung mit den Lerneinheiten in den Präsenzphasen also noch kein “Blended Learning” Für Hochschullehrende bietet e-teaching.org ein weiterführendes Dokument an und stellt hier “Blended Concepts” vor.  Dieser Begriff ist schon wesentlich handfester als “Blended Learning”, denn hier wird deutlich das ein Unterrichtskonzept nötig ist um erfolgreiches Blended Learning anzubieten.

Zunächst einmal aber zu völlig unterschiedlichen Gründen der verschiedenen Lernsettings sich mit dem Thema “Blended Learning” auseinanderzusetzen.

Im Schulbereich sind Präsenzphasen immer gegeben und Blended Learning wäre auf die sinnvolle Einbettung von Online Phasen bezogen.

Dagegen kommen in der beruflichen Weiterbildung ganz andere Faktoren für den Einsatz von Blended Learning zum Tragen. Hier sind Kosten und Zeit ein wesentlicher Grund Blended Learning einzusetzen. Man spart, Dozentenhonorare, Fahrtzeiten, Ausfallzeiten am Arbeitsplatz, Raumgebühren, Hotelkosten etc. Aber für einen Erfolg ist ein durchdachtes Konzept nötig. Eine Hauptschwierigkeit ist hier die Vorbereitung in den online Phasen der TN auch sicherzustellen, um die (kurzen) Präsenzphasen sinnvoll nutzen zu können. Dies ist auch beim Blended Learning Konzept flipped classroom zu beobachten, wenn die Teilnehmer das angebotene Material zur Vorbereitung auf die Präsenzphasen nicht nutzen, laufen diese ins Leere.

In Präsenzhochschule ist der Zeitfaktor ebenfalls leitend, denn die Präsenzphasen (Vorlesungen, Übungen) sind wesentlich knapper als im Schulunterricht und somit gibt es zahlreiche Ansätze die Effektivität dieser Präsenzphasen durch gezielte online Vorbereitungen zu optimieren.

Ein großer Vorteil für Lernende ist in all diesen Settings die zeitliche Unabhängigkeit für das Erarbeiten des online Bereitgestellten Materials, dass rund um die Uhr zur Verfügung steht.

Was aber unterscheidet Blended Learning jetzt wirklich von Lernsettings, die früher Bücher zur Vorbereitung genutzt haben, um im Präsenzunterricht effektiver arbeiten zu können. Sicher sind es nicht nur online zur Verfügung gestellte Texte, die vom Lernenden durchgearbeitet werden sollen. Die Möglichkeiten Lehrmaterial zu gestalten ist mit Internet und mit den neuen Medien vielfältiger geworden. Der Vorteil zum Buch sind die interaktiven Möglichkeiten, die auch in asynchronen Lernumgebungen genutzt werden können und Lernenden eine kollaborative Vorbereitung auf die Präsenzphasen ermöglichen. Wenn diese Möglichkeiten (wie in der obigen Definition gefordert) didaktisch sinnvoll in ein Lehrkonzept eingebunden werden, bietet Blended Learning eine gute Möglichkeit für effektive Lernarrangements. Die didaktische Kompetenz des Lehrenden wird dabei aber gefordert und nicht obsolet.

Dies ist auch im Bereich der xMoocs zu beobachten. Die propagierte Bildungsrevolution durch ein paar Videos und Zusatzmaterial als didaktische Wunderwaffe erhält derzeit einige Dämpfer. So gab Sebastian Thrun, einer der fürhrenden Mooc Anbieter auf der Plattform Udacity kürzlich zu: We were on the front pages of newspapers and magazines, and at the same time, I was realizing, we don’t educate people as others wished, or as I wished. We have a lousy product,“ Thrun tells me. „It was a painful moment.“ Turns out he doesn’t even like the term MOOC.

(Quelle: http://www.fastcompany.com/3021473/udacity-sebastian-thrun-uphill-climb)

Es funktioniert also nicht ohne didaktisches Gesamtkonzept und ohne aktive Kommunikation mit den Lehrenden. Ob die Zukunft dabei wirklich immer Präsenzphasen nötig macht, oder bei steigender Möglichkeit der technischen Bedingungen für synchrone Interaktivität und online Kommunikation nicht auch reine online Settings effektives Lernen in gleicher Qualität ermöglicht bleibt abzuwarten.

Für den Terminus “Blended Learning” bleibt zentral festzuhalten, dass eine didaktisch sinnvolle Verknüpfung der Lernphasen den Unterschied ausmachen und nicht die technisch möglichen Spielereien mit den “Neuen Medien”  und der Online -Umgebung. Der Lehrende bleibt also ein wichtiger Faktor und wird beim „Blended Learning“ nicht durch Medien ersetzt.

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Bachelor Bildungswissenschaften

4 Antworten zu “Blended Learning – ein kleiner Nachtrag zum #edchatDE vom 29.07.14 auf Twitter

  1. Lieber Mschaki, Du schreibst es. Die größte Herausforderung ist es, die Online- und die Präsenzphasen so miteinander zu verbinden, dass die Lernenden tatsächlich die Onlinephasen zum individuell gesteuerten Lernen wann und wo immer sie mögen, nutzen. Und in den Präsenzphasen kann dann stattfinden – ja, was kann dann und am besten dann stattfinden? Fragen klären? Den Unterrichtsstoff aus den Onlinephasen gemeinsam zur Anwendung bringen?
    Ich hatte die tolle Möglichkeit den gleichen Inhalt sowohl in einem Blended-Learning wie auch in einem tutoriell begleiteten Onlineformatfür die gleiche Zielgruppe anbieten zu können. Der tutoriell begleitete Onlinekurs hat viel besser funktioniert. Die Lernenden waren „gezwungen“ alles online zu machen. Wer nach Antworten suchte, musste vorher seine Fragen posten, musste sich seine Lernumgebung, seine Inhalte etc. selbsttätig so arrangieren, dass es für das eigene Lernen passte.
    Im Blended-Learning-Kurs haben die Leute ihre Fragen bis zur nächsten Präsenzveranstaltung aufbewahrt und haben die Möglichkeiten des Online Lernens nur wenig genutzt.
    Ich denke, dass Blended-Learning erst funktioniert, wenn es gelungen ist, eine Kultur für Online-Lernen, für selbstgesteuertes, selbstbestimmtes Lernen, unterstützt durch E-Moderatoren, zu etablieren. Solange es so etwa nicht gibt, bzw. so etwas noch keine große Verbreitung hat, neigen die allermeisten Lernenden dazu ihre Hauptlernaktivitäten in die Präsenzphasen zu verschieben. Für Präsenzlernen gibt es eine Lernkultur, die für sehr viele Lernende und auch Lehrende leider mit der Vorstellung verbunden ist, dass die Lehrenden den passiv-konsumbereiten Lernenden das Wissen in den Kopf trichtern.
    Ich finde, dass Blended-Learning eine sehr, sehr große Herausforderung ist.

  2. Hallo Sybille,
    vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Vor allem auch für den interessanten Erfahrungsbericht mit den beiden Varianten. Auch einige flipped classroom Lehrende berichten immer wieder von den Schwierigkeiten, dass Lernende nicht ausreichend vorbereitet in die Präsenzphasen kommen und diese dann nicht entsprechend genutzt werden können. Kurz noch zur Diskussion auf Twitter: Selbstlernen passt für mich in Bezug auf Konzepte für BL besser als „Phase des selbstbestimmten Lernens, weil BL Konzepte nur im Sinne von Lernangeboten gedacht werden können. Betrachtet man den individuellen Lernerfolg der Lernenden, passen die Begriffe von Dir und Lisa Rosa sicher sehr viel besser, beschreibe ich aber ein Lernangebotskonzept finde ich Selbstlernphase passender. Für mich macht es einen deutlichen Unterschied ob ich Lernen als Handlung oder als Erfolgsmessung betrachte.

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