Monatsarchiv: Juni 2015

Lernen der Zukunft: Fakten stehen im Internet, Lösungen entstehen aber erst in unseren Köpfen.

Fakten zu LdLRodin_TheThinker[1]

Medienkompetenz, ist das nur  PowerPoint, Programmieren, Videos anschauen oder doch viel mehr oder was ganz anders? Der Wegfall und die Qualität der Inhalte des Informatikunterrichts an Schulen bzw. seine Integration in Medienbildung wird zur Zeit heftig diskutiert und auch kritisiert.

Quellen:

http://www.dieterbaackepreis.de/index.php?id=67

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/informatik-eine-heimat-fuer-hacker-13642580.html http://www.kommune21.de/meldung_21561_gn http://www.morgenpost.de/printarchiv/familie/article142044767/Die-Schule-als-Hort-des-Analogen-Das-ist-nicht-mehr-zeitgemaess.html

Ist Medienbildung und Informatikunterricht denn überhaupt unter einen Hut zu bringen?

Was ist eigentlich Medienkompetenz, wie ist der Begriff definiert, gibt es eigentlich eine allgemeingültige Definition oder gibt es verschiedene sich gar widersprechende Definitionen?

Also, wie ist Medienkompetenz definiert?

In der Wikipedia steht eine kurze knappe Definition: „Medienkompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend zu nutzen“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Medienkompetenz

Dieter Baacke gliedert 1999 die Medienkompetenz in 2 Hauptdimensionen und 2 Unterdimensionen auf. Zur Hauptdimension Vermittlung gehören Medienkunde und Medienkritik und zur Hauptdimension Zielorientierung gehören Mediennutzung und Mediengestaltung. Medienkompetenz wird also aufgegliedert in eine theoretische Seite und eine praktische Seite, wobei diese Seiten nicht getrennt zu denken sind, sondern sich ergänzen. Baacke versteht die Medienkompetenz als in der Gesellschaftsebene tief verankert und beschreibt Medienkompetenz im Prinzip als „Diskurs der Informationsgesellschaft“

Medienkritik bedeutet in diesem Sinne, analytische Fähigkeiten und Wissen zu besitzen, um Medien beurteilen zu können. Das gilt für das Wissen um werbefinanziertes Privatfernsehen genau wie für kostenlos nutzbare Bildungsprogramme oder Apps. Ohne den kritischen Blick auf die Intention des jeweiligen Anbieters ist die Gefahr von Fehleinschätzungen sehr hoch.

Medienkunde verweist auf die Kenntnis und Anwendbarkeit der ausgesuchten Medien. Also eine Antwort auf die Frage, was ist auf dem Markt und wie kann ich es gewinnbringend nutzen.

Mediennutzung ist die Fähigkeit und Fertigkeit Medien reflexiv zu verarbeiten oder aktiv mitzugestalten. Eine gesehene Fernsehsendung oder ein Video aus einem Mooc muss verarbeitet werden und in die eigenen kognitiven Schemata einsortiert werden. Im Web 2.0 gehört auch das aktive Handeln dazu, ein Foto machen, einen Beitrag beantworten, Zusammenfassen, in Foren zu diskutieren oder ein eigenes Video produzieren.

Mediengestaltung verweist auf den sich immer schneller drehenden Diskurs der Informationsgestaltung hin. Mediengestaltung beinhaltet dabei sowohl die technischen Veränderungen von Medien als auch die Veränderung der Partizipationsmöglichkeiten. Diese Aufgliederung von Baacke zeigt zunächst einmal die Notwendigkeit von Medienbildung in der heutigen Gesellschaft ohne überhaupt näher auf den Informatikunterricht eingegangen zu sein.

Quelle: http://www.dieterbaackepreis.de/index.php?id=67

Was will denn aber der Informatikunterricht erreichen?

Das technische Verständnis von Programmaufbauten oder gar das Entwickeln eigener Programme mittels Beherrschung einer Programmiersprache haben wir hier oben in der Medienbildung noch gar nicht betrachtet. Ein weiterer Entscheidender Punkt des Informatikunterrichtes ist das prozesshafte Denken. Die Beherrschung der Syntax einer Programmiersprache befähigt noch lange nicht dazu gute Programme zu schreiben. Das prozesshafte Denken in komplexen Beziehungen und ein problemlösendes Denken muss erlernt und beherrscht werden um sinnvolle und gute Programme zu entwickeln. Mit einem solchen Vermittlungsansatz im Informatikunterricht sind Schüler dann für die Zukunft auch gerüstet, um sich in die Syntax verschiedener oder neu entwickelter Programmiersprachen einzuarbeiten. Argumente gegen das Erlernen einer Programmiersprache im Informatikunterricht oder eine Diskussion darüber welche der vielfältigen Sprachen gelehrt werden sollten, sind also fern ab von einem Verständnis sinnvollen Informatikunterrichts.

Schon aus diesen Ausführungen wird deutlich warum Informatikunterricht und Medienbildung es so schwer haben in den schulischen Kontext adäquat ihrer heutigen Bedeutung in die Gesellschaft einzudringen. Beide Konzepte stehen für eine starke Veränderung schulischer Vermittlungsinhalte. Sowohl Rahmenstoffpläne als auch didaktische Methoden sind hiervon betroffen. Wissensbausteine müssen heute im Kontext ihrer Anwendung vermittelt werden. Schule darf nicht das Vorlesen der Wikipedia sein, sie muss die Anwendung des Wissens, das heute (fast) überall und ständig per Internet verfügbar ist, vermitteln. Nein das soll kein Angriff auf die Lehrerschaft sein, die das heute in sehr großen Teilen begriffen hat und auch umsetzt. Vielmehr geht es darum den Lehrern für ihr Engagement auch den notwendigen rechtlichen Rahmen zu geben. Schule braucht Anwendung von Wissen durch die Schüler, damit diese sich ein problemlösendes und prozesshaftes Denken aneignen können.

Seit langem beschäftige ich mich schon mit der Unterrichtsmethode LdL (Lernen durch Lehren) die dieser Art der Inhaltsvermittlung schon von ihrem Ansatz her unterstützt. Prozesse und Probleme in ihren komplexen Zusammenhängen gemeinsam zu entdecken, zu verstehen und zu vermitteln wäre ein Ansatz für die zukünftige Bildung. Unsere Welt ist zu komplex geworden, um sie passiv rezipierend verstehen zu können. Es sind solche schüleraktivierende, nein lerneraktivierende (denn das alles gilt auch für Lehr- Lernszenarios außerhalb des schulischen Kontextes) didaktische Methoden und eine gründliche Entrümpelung der stofflichen Inhalte in den Rahmenlehrpläne die eine Schule der Zukunft braucht. Die gründliche Entrümpelung bietet eine weitere Chance, nämlich den Lehrern eine größere individuelle Stoffauswahl zu ermöglichen. Die Lehrer brauchen mehr Gestaltungspielraum bei der Stoffauswahl, nicht nur um ihre eigene Kreativität im Unterricht besser zu entfalten, sondern auch oder gerade um auf die Interessen der Schüler besser eingehen zu können.

„Das Gefühl der Kontrolle festigt sich, das Selbstbewusstsein wächst und dadurch die Bereitschaft, unbekannte Bereiche anzugehen, also sich erneut explorativ zu verhalten. Der Einsatz der Methode LdL begünstigt diesen Prozess dadurch, dass die Schüler sich routinemäßig in die Unbestimmtheit und Komplexität des neuen Stoffes begeben, um nach entsprechender Komplexitätsreduktion die neuen Inhalte ihren Mitschülern zu vermitteln.“ schreibt Blog Prof. Dr. Jean-Pol Martin schon in seinem Aufsatz aus dem Jahre 2000. Quelle: http://www.lernen-durch-lehren.de/Material/Publikationen/aufsatz2000.pdf

Genau in diese Richtung sollte das Lernen im Hinblick auf die Anforderungen der heutigen Gesellschaft steuern. Dabei sind die stofflichen Inhalte zunächst einmal zweitrangig, es geht um die Herangehensweise des Problem Lösens, dabei ist auch die Erlernung unbekannter Dinge als Problem (das im Laufe des Unterrichts gelöst wird, indem es verstanden wird) zu betrachten. Manche mögen diesen Ansatz schon als revolutionär im schulischen Kontext verstehen, allerdings hat diese Revolution in der Gesellschaft längst stattgefunden. Die Halbwertszeit des Wissens verkürzt sich ständig, die Wissensmasse erweitert sich dabei trotzdem unaufhörlich. Daher werden sich Schule und Unterricht allgemein auf eine Verschiebung vom stoffbezogenen Unterricht zum problemlösenden Unterricht in der Zukunft einstellen müssen, um nicht irgendwann als analoges Museum ohne Bindung an die Gesellschaft in einer Parallelwelt zu enden.

Bildnachweise:

LdL Grafik: Eigener Entwurf Marc Schakinnis

Rodin (The Thinker) Rechteinhaber: wikipedian user: Pufacz

https://de.wikipedia.org/wiki/Denken Licensing [edit]

Public domain I, the copyright holder of this work, release this work into the public domain. This applies worldwide. In some countries this may not be legally possible; if so: I grant anyone the right to use this work for any purpose, without any conditions, unless such conditions are required by law.

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Junger Bildungskongress 2015 von „Was bildet Ihr uns ein e.V.“

Junger Bildungskongress 2015 #jbk15

Am 29./30.05.2015 führte der Verein „Was bildet Ihr uns ein e.V.“ den Jungen Bildungskongress 2015 durch. Gastgeber dieses Jahr war die Carl v. Ossietzky Schule in Berlin. Nach der auch als Livestream übertragenen Podiumsdiskussion begannen die Zukunftswerkstätten mit verschiedenen Oberthemen. Aber dazu später mehr.

Bevor die Podiumsdiskussion starten durfte, gab es eine sehr aktive und witzig durchgeführte Begrüßungsrunde Dem Inklusionsgedanken folgend wurde die Veranstaltung von Fabienne in Gebärdensprache begleitet. In der Aufsteh- Hinsetzenrunde kam heraus, das Teilnehmer sogar aus der Ukraine angereist waren, der Durchschnittsteilnehmer 28 Jahre alt ist, ca. 30 der TN schon auf dem Jungen Bildungskongress anwesend waren.

Die Podiumsdiskussion war betitelt mit: Jung, betroffen, ungefragt und sollte in das Thema „Wie kann man die Jungen besser am Bildungssystem beteiligen“ einführen. Als Moderator war Mohamed Amjahid gewonnen worden, bekannt unter anderem aus dem aus dem Zeitmagazin, mit diskutieren durften der ehemalige (noch immer sehr engagierte) Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner, Philipp Breder vom Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen, Katjuscha von Werthern als Expertin für Wissenschaft & Praxis demokratischer Schulentwicklung,, sowie der freie Stuhl zur Einbindung der Teilnehmer, der auch gut besetzt wurde. Die Podiumsdisskussion läßt sich hier als YouTube Video ansehen.

Nach Ende der Podiumsdiskussion begann sofort die Aufteilung in die Zukunfstwerkstätten. Den Ablauf in einer Zukunfstwerkstatt muss man sich folgendermaßen vorstellen. Zunächst wird nach einem kurzen Warming-up in der Kritikphase das Oberthema in allen Bereichen ausführlich kritisiert. Die gesammelten Kritikpunkte werden zu Unterthemen zusammengefasst. Anschließend wird in kleineren Arbeitsgruppen in der Utopiephase eine Idealform entwickelt: „Wie könnte es sein“, wenn man keine Rücksicht auf Macht und andere Ressourcen nehmen müsste. Aus dieser Utopie werden in der Realisierungsphase Punkte die sich in naher Zukunft auch wirklich umsetzen lassen könnten herausgearbeitet. Diese Ergebnisse der Zukunftswerkstätten wurden nochmal auf 2 zentrale Punkte verschlankt und anschließend an das gesamte Publikum des „Jungen Bildungskongresses „ per Fishbowl zurückgegeben. In einer Fishbowl sitzen alle Teilnehmer in größer werdenden Kreisen umeinander herum. Im kleinen Innenkreis besteht das Rederecht. Um eigene Wortmeldungen in die Diskussion einzubringen kann man in den Innenkreis wechseln. Die Methode hat am Samstag sehr gut funktioniert und die eingebrachten Vorschläge aus den einzelnen Zukunftswerkstätten (Themen am Samstag: Frühkindliche Bildung, Lehre_in von morgen, Hochschule und Wirtschaft, Bildung und Vielfalt) wurden in sehr aktiver Runde nochmal sehr kritisch überprüft.

Meine Zukunftswerkstatt am Samstag beschäftigte sich mit dem Thema Hochschule und Wirtschaft. Welche Probleme tauchen auf wenn sich die freie Wirtschaft an Hochschulprojekten in Lehre und Forschung beteiligt. Welche Formen sind erwünscht, welchen Formen steht man aufgrund von Einmischung, Ethik oder unerwünschter Werbung eher kritisch gegenüber. Denken wir dabei an Unternehmen aus der Rüstungsindustrie, die sich in die Hochschule einbringen, an Stiftungslehrstühle die nach Unternehmen benannt werden, Forschungsaufträge, die nur veröffentlicht werden, wenn das Ergebnis auch in die Vorgaben des Unternehmens passt. An Wirtschaftliche Beteiligung zur Finanzierung universitärer Einrichtungen. Wie muss eine akzeptable Beteiligung der Wirtschaft im Hochschulbereich aussehen. Das allein für den Praxisbezug eine Beteiligung der Wirtschaft durchaus erwünscht ist hatte in unser Arbeitsgruppe einstimmigen Konsens.

Aufwertung der Lehre Einfussnahme Ethik Genugistgenug Hoheit des Bildungsauftrages Mitbestimmung OER Praxisrelevanz Hochschule Transparenz ErgebnisHSWirtschaft

Auf den Bildern lassen sich aber hierzu zusammengetragenen Kritikpunkte erfassen, die ein kleines Bild aufzeigen wo solches Engagement der Wirtschaft kritisch betrachtet werden muss, von Menschen die sich mit Bildung auseinandersetzen wollen.

Die schon geordneten Kritiken wurden jetzt in der Visionsphase in Gruppenarbeit wieder aufgenommen. Meine Gruppe beschäftigte sich mit dem Begriff Praxisrelevanz durch Zusammenarbeit von Hochschule und Wirtschaft und entwickelte zunächst folgende Vision:

In der Realisierungsphase haben wir drei zentrale Punkte gesammelt die zur Auswahl für die Fishbowl standen, zwei davon sind letztendlich dort dann auch diskutiert worden.

Sonntag (der nach einem sehr intensiven Tagungstag am Samstag etwas schleppend anfing).

Sicher war dies auch den Verkehrsbehinderungen in Berlin durch zahlreiche Sperrungen in der Innenstadt für ein Radrennen geschuldet. Das war ein bisschen schade, denn die Eröffnung wurde per Livestream im Netz übertragen. Die beiden Moderatoren haben das aber toll gemacht und viele Informationen aus den Vortragsergebnissen an die Außenwelt weitergegeben  Hier Livestream

Meine Zukunftswerkstatt am Sonntag stand unter dem Fokus Hochschule und Partizipation. Dabei freute mich besonders, dass 2 Schüler aus der 12. Klasse der Carl v. Ossietzky-Schule sich für dieses Thema entschieden hatten und ihre Ideen und Vorstellungen dort auch sehr aktiv und konstruktiv einbrachten.

Ein gelungener Kongress mit vielen begeisterten Bildungsrevoluzzern

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