Lernen der Zukunft: Fakten stehen im Internet, Lösungen entstehen aber erst in unseren Köpfen.

Fakten zu LdLRodin_TheThinker[1]

Medienkompetenz, ist das nur  PowerPoint, Programmieren, Videos anschauen oder doch viel mehr oder was ganz anders? Der Wegfall und die Qualität der Inhalte des Informatikunterrichts an Schulen bzw. seine Integration in Medienbildung wird zur Zeit heftig diskutiert und auch kritisiert.

Quellen:

http://www.dieterbaackepreis.de/index.php?id=67

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/informatik-eine-heimat-fuer-hacker-13642580.html http://www.kommune21.de/meldung_21561_gn http://www.morgenpost.de/printarchiv/familie/article142044767/Die-Schule-als-Hort-des-Analogen-Das-ist-nicht-mehr-zeitgemaess.html

Ist Medienbildung und Informatikunterricht denn überhaupt unter einen Hut zu bringen?

Was ist eigentlich Medienkompetenz, wie ist der Begriff definiert, gibt es eigentlich eine allgemeingültige Definition oder gibt es verschiedene sich gar widersprechende Definitionen?

Also, wie ist Medienkompetenz definiert?

In der Wikipedia steht eine kurze knappe Definition: „Medienkompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend zu nutzen“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Medienkompetenz

Dieter Baacke gliedert 1999 die Medienkompetenz in 2 Hauptdimensionen und 2 Unterdimensionen auf. Zur Hauptdimension Vermittlung gehören Medienkunde und Medienkritik und zur Hauptdimension Zielorientierung gehören Mediennutzung und Mediengestaltung. Medienkompetenz wird also aufgegliedert in eine theoretische Seite und eine praktische Seite, wobei diese Seiten nicht getrennt zu denken sind, sondern sich ergänzen. Baacke versteht die Medienkompetenz als in der Gesellschaftsebene tief verankert und beschreibt Medienkompetenz im Prinzip als „Diskurs der Informationsgesellschaft“

Medienkritik bedeutet in diesem Sinne, analytische Fähigkeiten und Wissen zu besitzen, um Medien beurteilen zu können. Das gilt für das Wissen um werbefinanziertes Privatfernsehen genau wie für kostenlos nutzbare Bildungsprogramme oder Apps. Ohne den kritischen Blick auf die Intention des jeweiligen Anbieters ist die Gefahr von Fehleinschätzungen sehr hoch.

Medienkunde verweist auf die Kenntnis und Anwendbarkeit der ausgesuchten Medien. Also eine Antwort auf die Frage, was ist auf dem Markt und wie kann ich es gewinnbringend nutzen.

Mediennutzung ist die Fähigkeit und Fertigkeit Medien reflexiv zu verarbeiten oder aktiv mitzugestalten. Eine gesehene Fernsehsendung oder ein Video aus einem Mooc muss verarbeitet werden und in die eigenen kognitiven Schemata einsortiert werden. Im Web 2.0 gehört auch das aktive Handeln dazu, ein Foto machen, einen Beitrag beantworten, Zusammenfassen, in Foren zu diskutieren oder ein eigenes Video produzieren.

Mediengestaltung verweist auf den sich immer schneller drehenden Diskurs der Informationsgestaltung hin. Mediengestaltung beinhaltet dabei sowohl die technischen Veränderungen von Medien als auch die Veränderung der Partizipationsmöglichkeiten. Diese Aufgliederung von Baacke zeigt zunächst einmal die Notwendigkeit von Medienbildung in der heutigen Gesellschaft ohne überhaupt näher auf den Informatikunterricht eingegangen zu sein.

Quelle: http://www.dieterbaackepreis.de/index.php?id=67

Was will denn aber der Informatikunterricht erreichen?

Das technische Verständnis von Programmaufbauten oder gar das Entwickeln eigener Programme mittels Beherrschung einer Programmiersprache haben wir hier oben in der Medienbildung noch gar nicht betrachtet. Ein weiterer Entscheidender Punkt des Informatikunterrichtes ist das prozesshafte Denken. Die Beherrschung der Syntax einer Programmiersprache befähigt noch lange nicht dazu gute Programme zu schreiben. Das prozesshafte Denken in komplexen Beziehungen und ein problemlösendes Denken muss erlernt und beherrscht werden um sinnvolle und gute Programme zu entwickeln. Mit einem solchen Vermittlungsansatz im Informatikunterricht sind Schüler dann für die Zukunft auch gerüstet, um sich in die Syntax verschiedener oder neu entwickelter Programmiersprachen einzuarbeiten. Argumente gegen das Erlernen einer Programmiersprache im Informatikunterricht oder eine Diskussion darüber welche der vielfältigen Sprachen gelehrt werden sollten, sind also fern ab von einem Verständnis sinnvollen Informatikunterrichts.

Schon aus diesen Ausführungen wird deutlich warum Informatikunterricht und Medienbildung es so schwer haben in den schulischen Kontext adäquat ihrer heutigen Bedeutung in die Gesellschaft einzudringen. Beide Konzepte stehen für eine starke Veränderung schulischer Vermittlungsinhalte. Sowohl Rahmenstoffpläne als auch didaktische Methoden sind hiervon betroffen. Wissensbausteine müssen heute im Kontext ihrer Anwendung vermittelt werden. Schule darf nicht das Vorlesen der Wikipedia sein, sie muss die Anwendung des Wissens, das heute (fast) überall und ständig per Internet verfügbar ist, vermitteln. Nein das soll kein Angriff auf die Lehrerschaft sein, die das heute in sehr großen Teilen begriffen hat und auch umsetzt. Vielmehr geht es darum den Lehrern für ihr Engagement auch den notwendigen rechtlichen Rahmen zu geben. Schule braucht Anwendung von Wissen durch die Schüler, damit diese sich ein problemlösendes und prozesshaftes Denken aneignen können.

Seit langem beschäftige ich mich schon mit der Unterrichtsmethode LdL (Lernen durch Lehren) die dieser Art der Inhaltsvermittlung schon von ihrem Ansatz her unterstützt. Prozesse und Probleme in ihren komplexen Zusammenhängen gemeinsam zu entdecken, zu verstehen und zu vermitteln wäre ein Ansatz für die zukünftige Bildung. Unsere Welt ist zu komplex geworden, um sie passiv rezipierend verstehen zu können. Es sind solche schüleraktivierende, nein lerneraktivierende (denn das alles gilt auch für Lehr- Lernszenarios außerhalb des schulischen Kontextes) didaktische Methoden und eine gründliche Entrümpelung der stofflichen Inhalte in den Rahmenlehrpläne die eine Schule der Zukunft braucht. Die gründliche Entrümpelung bietet eine weitere Chance, nämlich den Lehrern eine größere individuelle Stoffauswahl zu ermöglichen. Die Lehrer brauchen mehr Gestaltungspielraum bei der Stoffauswahl, nicht nur um ihre eigene Kreativität im Unterricht besser zu entfalten, sondern auch oder gerade um auf die Interessen der Schüler besser eingehen zu können.

„Das Gefühl der Kontrolle festigt sich, das Selbstbewusstsein wächst und dadurch die Bereitschaft, unbekannte Bereiche anzugehen, also sich erneut explorativ zu verhalten. Der Einsatz der Methode LdL begünstigt diesen Prozess dadurch, dass die Schüler sich routinemäßig in die Unbestimmtheit und Komplexität des neuen Stoffes begeben, um nach entsprechender Komplexitätsreduktion die neuen Inhalte ihren Mitschülern zu vermitteln.“ schreibt Blog Prof. Dr. Jean-Pol Martin schon in seinem Aufsatz aus dem Jahre 2000. Quelle: http://www.lernen-durch-lehren.de/Material/Publikationen/aufsatz2000.pdf

Genau in diese Richtung sollte das Lernen im Hinblick auf die Anforderungen der heutigen Gesellschaft steuern. Dabei sind die stofflichen Inhalte zunächst einmal zweitrangig, es geht um die Herangehensweise des Problem Lösens, dabei ist auch die Erlernung unbekannter Dinge als Problem (das im Laufe des Unterrichts gelöst wird, indem es verstanden wird) zu betrachten. Manche mögen diesen Ansatz schon als revolutionär im schulischen Kontext verstehen, allerdings hat diese Revolution in der Gesellschaft längst stattgefunden. Die Halbwertszeit des Wissens verkürzt sich ständig, die Wissensmasse erweitert sich dabei trotzdem unaufhörlich. Daher werden sich Schule und Unterricht allgemein auf eine Verschiebung vom stoffbezogenen Unterricht zum problemlösenden Unterricht in der Zukunft einstellen müssen, um nicht irgendwann als analoges Museum ohne Bindung an die Gesellschaft in einer Parallelwelt zu enden.

Bildnachweise:

LdL Grafik: Eigener Entwurf Marc Schakinnis

Rodin (The Thinker) Rechteinhaber: wikipedian user: Pufacz

https://de.wikipedia.org/wiki/Denken Licensing [edit]

Public domain I, the copyright holder of this work, release this work into the public domain. This applies worldwide. In some countries this may not be legally possible; if so: I grant anyone the right to use this work for any purpose, without any conditions, unless such conditions are required by law.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Bachelor Bildungswissenschaften

3 Antworten zu “Lernen der Zukunft: Fakten stehen im Internet, Lösungen entstehen aber erst in unseren Köpfen.

  1. Schrift etwas größer stellen.

  2. Absätze wäre auch nicht schlecht.

  3. Vielen Dank für die Hinweise, die Schriftgröße ist eigentlich Browserabhängig gesetzt, die Formatierung ist irgendwie verlorengegangen, habe die Absätze wieder eingefügt.

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