Monatsarchiv: November 2020

Feinde einer „offenen Gesellschaft“

Aus aktuellem Anlass ein kurzes Plädoyer für Karl Popper und seinen Ansatz für eine „offene Gesellschaft“.

Dogmatisierung greift wieder um sich.
Dogmen sind eine Gefahr für die Demokratie, oder wie Karl Popper es formulieren würde, eine Gefahr für die offene Gesellschaft. In einer immer komplexer werdenden Welt sind einfache Lösungen gerne gesehen.
Beschreiben könnte man Dogmen als feststehende oder unveränderliche Wahrheiten. Aber gerade im Komplexen gibt es maximal eine Annäherung an die Wahrheit, für viele Probleme auch mehrere Wahrheiten oder anders formuliert mehrere Lösungen.
Karl Popper schrieb den Text „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ in den Jahren des 2 Weltkrieges, als seine Antwort auf die verheerenden Auswirkungen des Krieges und der NS Herrschaft.
Aber wenn er für eine offene Gesellschaft darin fordert, ein Regierungsapparat sollte gewaltfrei abgewählt werden können, dann sind wir mitten im heutigen Politikgeschehen. Wahlen werden nicht mehr akzeptiert, Gerichte mit wohlgesonnenen Richtern werden „ohne Beweise“ angerufen, um Entscheidungen des Volkes zu kippen, Gesellschaftsverträge werden aufgekündigt und Gewaltandrohungen ausgesprochen.
Feinde der offenen Gesellschaft sind im gesamten demokratischen Raum auszumachen. Ausverkauf der eigenen Werte in der Flüchtlingspolitik, Behinderung von Organisationen die Menschen retten wollen, und zwar durch fragwürdige Anklagen, die teilweise zu fragwürdigen Gerichtsentscheidungen führen. Instrumentalisierung von Richtern und Gerichten, um Freiheiten der Bürger einer offenen Gesellschaft wieder zu beschneiden. Auch mangelnder Mut Gesetze (z.B. bezüglich einer Pandemie) aus historischer Tradition (Historizismus) zu belassen und nicht an heutige Anforderungen anzupassen gehören dazu. Vor solchem Historizismus hat Popper schon nach dem 2. Weltkrieg gewarnt. Gesetze sollten an ihrer Tauglichkeit überprüft werden, nicht nach ihrer Tradition.

Da Karl Popper die Angewohnheit hatte sich sehr klar auszudrücken, unter Philosophen nicht immer selbstverständlich, möchte ich meinen Lesern zwei Werke empfehlen, die wirklich zum Nachdenken anregen:

Alt, Jürgen August; Karl R. Popper (1992) Campus Verlag Reihe Campus Einführungen Frankfurt a.M.
Popper, Karl R.; Alles Leben ist Problemlösen 3. Auflage (1997) Piper Verlag München

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