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Gedichte oder Steuererklärung: Welchen Schulstoff brauchen wir?

UnbenanntDieser Tweet einer Schülerin löste heftige Diskussionen in der Bildungsgemeinschaft aus. Sie beklagte zu wenig über Alltagswissen gelernt zu haben, dafür aber Gedichtanalysen in mehreren Sprachen schreiben zu können. Michael Hengstenberg erwidert in einem Kommentar auf Spiegel Online Schulspiegel Zeit zu verplempern in der Schule sei ein Privileg für Schüler, genau wie das Privileg mal Unsinn zu verzapfen. Eine für mich fragwürdige Interpretation der These „Bildung braucht Zeit“, die sehr wohl einen wichtige Stellung in Bildungs- und Lernprozessen hat. Schule muss heute sehr vielen Aufgaben gerecht werden, sie soll den Lernstoff bereitstellen, der auf das Leben vorbereitet und die Schüler in die Gesellschaft sozial integrieren. Der Lernstoff wächst mit der technischen Entwicklung stark an und auch die Sozialisation wird in modernen, globalen Gesellschaftsformen und der Notwendigkeit sich global mit Kulturen auskennen zu müssen sehr viel komplexer. Nicht selten wird eine fehlende Sozialisation junger Leute dem Versagen der Schule zugeschrieben. Trotz dieser vielschichtigen Aufgaben soll Schule auch den Blick auf den prozessuralen Charakter der Bildung nicht verlieren. Diese Prozesse brauchen Zeit, dass ist zahlreich diskutiert worden, vor allem im Kontext der Abiturerlangung nach 12 oder 13 Schuljahren (auch als G7 G8 bekannt), ein Gespräch auf  Deutschlandradio Kultur mit Prof. Heinz-Elmar Tenorth mit dem provokativen Titel „Turbo Lernen“ gibt einen guten Überblick über diese Diskussion.

Aber mit dem Zeitbegriff für Bildungsprozesse angestaubten und lebensweltfremden Unterrichtsstoff zu verteidigen ist mir deutlich zu einfach. Wissen vermehrt sich rasant, die Gesellschaft entwickelt sich ständig weiter, entsprechend muss sich auch der Unterrichtsstoff in der Schule entwickeln. Vor allem aber muss der Unterricht in der Praxis daran ständig angepasst werden. Natürlich spiel der Zeitbegriff dabei eine Rolle, denn trotz dieser Expansion des Wissens steht den Schülern ja nicht mehr Zeit zum Lernen zur Verfügung, der Zeitbegriff wächst ja nicht mit. Die Rahmenpläne für Unterrichtsstoff zu entwickeln und die individuelle Stoffauswahl des Unterrichts durch die Lehrenden ist daher heutzutage eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Genau wie die wichtige Aufgabe den Schülern spannenden Lehrstoff anzubieten. Wenn Schüler sich angeregt und motiviert mit dem Ihnen angebotenen Stoff beschäftigen, dann setzen sie Denkprozesse in Gange bei denen sie sich automatisch die Zeit nehmen um Gelerntes auch verarbeiten zu können. Auf keine Fall dürfen wir Langeweile im Unterricht künstlich erzeugen und langweiligen Unterricht auch noch mit dem Hinweis auf Zeit oder gar Privilegien der Schüler apologetisieren. Durch die sehr großen Klassenverbände wird sich bei einzelnen Schülern automatisch in Phasen immer wieder Langeweile oder Desinteresse einstellen. Diese Schüler gilt es aber wieder in die Diskussion des Unterrichts zurückzuholen und nicht ihrer Langeweile zu überlassen. Wie man spannenden Stoff auswählt lässt sich im Blog von Prof. Jean-Pol Matin hier nachlesen. Zeit die Bildung braucht kann man weder verordnen noch planen. Sich die Zeit nehmen Bildungsprozesse zu verarbeiten bedingt aber vorher ein intensives Auseinandersetzen mit den entsprechenden Inhalten. Das kann durch spannenden Unterricht und vor allem durch schüleraktivierenden Unterricht wie der Unterrichtsmethode Lernen durch lehren erreicht werden. Also es geht gar nicht darum Gedichte und Fremdsprachen im Unterricht wegzulassen oder durch lebenspraktische Inhalte zu ersetzen. Es geht schon gar nicht darum langweiligen Unterricht künstlich zu erzeugen, um Schülern Zeit zu geben. Es geht darum Schüler so zu motivieren, dass sie sich mit dem Unterrichtsstoff intensiv auseinandersetzen, ihn mit Mitschülern diskutieren. Dann nehmen sich die Schüler auch die individuelle Zeit den Stoff zu verarbeiten. Dabei muss der Stoff an die heutige Lebenswelt angebunden sein. Das geht sowohl im Fremdsprachenunterricht (LdL kommt ursprünglich sogar aus diesem Bereich, kann aber in allen Unterrichtsfächern angewendet werden), als auch im Deutschunterricht mit klassischer Literatur und Poesie. Also, wenn Schüler sich über mangelnde Anbindung des Unterrichtsstoffes beklagen, sollten wir sie ernst nehmen. Wir sollten darüber nachdenken wie der Stoff an die heutige komplexe Lebenswelt angepasst werden kann. Dabei müssen weder historische noch kulturelle Traditionen ignoriert werden, sondern der Wert dieser für ihr eigenes Leben muss den Schülern vermittelt werden.  Hier noch ein Beispiellink wie so eine Anpassung des Stoffes mit LdL realisiert werden kann in einem Filmbeitrag des Goethe Institutes. Auch in den ldlmoocs lassen sich Beispiele für spannenden Unterricht finden. Zum ldlmmoc1 hier und zum Ldlmooc2 hier.

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Hausarbeit Mediendidaktik Modul 3A (Vergleich LdL und cMoocs)

Hausarbeit 3A Marc Schakinnis SS13

unter obigem Link veröffentliche ich als ersten Beitrag des Jahres 2014 meine Hausarbeit zum Modul 3A Mediale Bildung und Medienkommunikation. Vielen Dank an Ulrike Glembotzky, die mich durch ihre eigene Veröffentlichung zum Master Modul M4 (eine sehr lesenswerte Arbeit über Lurker in Moocs) auf die Idee gebracht hat, die Arbeit hier zu veröffentlichen und an Monika E. König die als @mons7 über die Arbeit von Ulrike getwittert hat.

Die Arbeit untersucht Gemeinsamkeiten und Unterschiede beim Vergleich der handlungsorientierten Unterrichtsmethode LdL (Lernen durch Lehren) und der Partizipation an einem cMooc.

Für Kommentare und Kritik bin ich immer dankbar.

Die Arbeit ist unter CC Lizenz CC BY-SA veröffentlicht.

Creative Commons Lizenzvertrag
Digitales Lernen im sozialen Kontext: Gemeinsamkeiten und Unterschiede beim Vergleich der handlungsorientierten Unterrichtsmethode LdL und der Partizipation an einem cMooc von Marc Schakinnis ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

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