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#Exif13 Ist Hermeneutik Forschung?

Zu den Ausführungen von Prof. Bastiaens zur Definition von Forschung gab es einige Kritik. In vielen Beiträgen könnte hierzu ein Missverständnis vorliegen. Prof Bastiaens fordert von Forschungsarbeiten in seinem Fachbereich einen „Mehrwert“ für die Praxis oder für die Forschung. Und vor allem fordert er diesen Mehrwert in der Niederschrift der Forschungsarbeit auch darzustellen. In einigen studentischen Arbeiten scheint dies nicht immer zu gelingen, darauf hat er aufmerksam gemacht. Er bezog sich dabei auf die Bildungswissenschaften innerhalb der Sozialwissenschaften, als sein Fachgebiet. Dabei hat er aber keine Forschungsmethoden ausgeschlossen, auch wenn er die Sozialwissenschaften von den Geisteswissenschaften als Forschungsbereich abgegrenzt hat, was man sicher kontrovers diskutieren kann. Seine Forderung Theorie auf die eigene Forschungsarbeit zu beziehen und ein eigenes Ergebnis zu präsentieren, und sich nicht im reinen beschreibenden theoretisieren zu verlieren ist für mich ein hilfreicher Tipp an Studenten und zukünftige Forscher. Auch für hermeneutische Forschungsarbeiten kann dieser Hinweis sehr hilfreich sein. Hermeneutische Arbeiten brauchen eine Forschungsfrage über eine hermeneutische Differenz.

Der Ausdruck ‚hermeneutische Differenz‘ oder  auch ‚Distanz‘ macht auf ein Grundproblem aller sprachlichen Kommunikation wie auch der  reflektierten Interpretation aufmerksam: Das was verstanden bzw. gedeutet werden soll, ist  zunächst fremd, abständig, distanziert, und muß erst im Verstehens- bzw.  Deutungsakt ‚angeeignet‘ werden.

Aus: Hans-Georg Gadamer: Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik, 3. Aufl. Tübingen 1972.

Diese „hermeneutische Differenz“ muss dann in einer Forschungsarbeit auch herausgearbeitet und niedergeschrieben werden, um einen Mehrwert zu erzielen.

Aus diesem Grund fand ich den Hinweis von Prof Bastiaens für die anstehenden Forschungsarbeiten in meinem Studium sehr hilfreich. Zu schnell verirrt man sich in der reinen Beschreibung bestehender Theorien und verliert sein „Ziel“ aus den Augen. Dabei liegt genau hierin der eigentliche Sinn in einer Forschungsarbeit und macht das „forschende Lernen“ so interessant und grenzt es von rein reproduzierendem Klausurlernen ab.

Ob ihr aus den Ausführungen von Prof Bastiaens etwas anderes herauslest, könnt hier nicht nur im Video, sondern auch hier im Edupad zur Transkription des ersten Impulsvortrages des cMoocs „Entdecke die Insel der Forschung“ (#ExiF13), Teil I, aber auch direkt im Video überprüfen.

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